•   Volker Croy hat den Beitrag vor 4 Wochen kommentiert
    Bodenmüdigkeit:
    Viele hören manchmal das Wort in Verbindung mit Fruchtfolge (Kulturfolge) und Monokultur (jedes Jahr gleiche Pflanze auf gleichem Beet).

    Bodenmüdigkeit ist ein biologisches Phänomen.
    Bodenmüdigkeit entsteht, wenn eine Pflanzenfamilie, -Art, oder -Sorte ständig hinereinander angebaut wird. Dann bricht der Ertrag erst ein und erholt sich dann wieder, stabilisiert sich aber unter dem Niveau der Erstkultur. Bei Kulturen wird dann von Selbstverträglichkeit gesprochen. Weizen und Mais haben eine hohe Selbstverträglichkeit von um die 80 % des Ausgangsetrages und sind somit gut geeignet für Monokulturen und nicht so von der Bodenmüdigkeit betroffen wie Erbsen, die teilweise nur 40 - 60 % Selbstverträglichkeit haben.

    Ein Beispiel: Wenn ich nach Mais wieder im folgejahr Mais anbaue, und das fortlaufend und im ersten Jahr 1 t Ernte, dann im 2. Jahr 0,7 t und im 3. Jahr und allen folgenden nur 0,8 t, aber weit mehr als Erbsen die im ersten Jahr 1 t und im 2. Jahr dann nur noch 0,4 t und in allen weiteren 0,6 t bringen und somit den Ertrag halbieren.

    Auffällig ist, dass die Bodenmüdigkeit erst schlimmer und dann wieder etwas besser wird. Also ist ein Nährstoffmangel von Mikronährstoffen, den viele dort hineininterpretieren nicht möglich. Denn dann müssten die Effekte allmählich schlimmer werden und könnten sich nicht erholen.

    Ein Wechsel der Art bringt etwas gegen die Bodenmüdigkeit, aber der Wechsel der Familie richtig viel. Die typische Ackerfruchtfolge ist Raps, Mais, Weizen, Gerste und dann wieder von vorn mit Raps. Auch wenn die Felder groß sind, so ist das keine klassische Monokultur, sondern eine Fruchtfolge.
    Eine Obstplantage ist hingegen eine Monokultur, denn da stehen jedes Jahr nur Äpfel. Auch wenn diese unterpflanzt werden, z.B. mit Ringelblumen und diese auch immer an der gleichen Stelle stehen, so ist das im klassischen Sinne immer noch eine Monokultur und zieht Bodenmüdigkeit nach sich.

    Was ist nun Bodenmüdigkeit genau und woher wissen wir das?
    Die Antwort ist düster: Es gab bis in die 2000er "Bodenentseuchungsmittel". Also chemische Mittel, die alles Bodenleben bis in eine bestimmte Tiefe, egal ob nützlich oder schädlich einfach töteten. Wenn eine Monokultur angebaut wurde z.B. Äpfel und der Ertrag sank, dann wurde mit diesem Mittel das gesamte Bodenleben abgetötet und der Ertrag erholte sich. Mit Bodenentseuchungsmittel ließen sich die Erträge jedes Jahr bei 100 % des Ausgangsetrages halten.
    Das heißt Bodenmüdigkeit ist etwas, was mit Gift getötet werden kann.

    Bodenmüdigkeit ist ein ökologisches Phänomen:
    Wenn die Pflanze zuerst auf ein Feld kommt, so gibt es kein angepasstes Mikro-Bodenleben. Pilze und Bakterien sind noch nicht auf diese Pflanze eingestimmt. Da die Eigenschaften in der Familie ähnlich sind, hat das Bodenleben bessere Chancen sich im ersten Jahr auf eine Pflanze gleicher Familie wie im Vorjahr einzustellen.
    Bodenleben ist nicht automatisch gut. Erher ein Mix aus Pflanzenfessern und Fleischfressern, Symbionten, Parasiten und vielem mehr.

    Wenn eine neue Pflanze an den Standort kommt, so dauert es einige Zeit, bis sich das Bodenleben daran anpasst.
    Im ersten Jahr gibt es beginnende aber noch wenig Interaktion.
    Im zweiten Jahr gibt es eine starke Vermehrung der Pflanzenfresser, welche die Wurzel schädigen => Ertrag sinkt.
    Im dritten Jahr gibt es eine starke Vermehrung der "Fleischfresser", welche die massenhaft vorhandenen Pflanzenfresser fressen. => Ertrag steigt wieder.
    Danach entsteht ein Ökologisches gleichgewicht zwischen Pflanze, Pflanzenfresser und Fleischfresser.

    Fruchtfolge gegen Bodenmüdigkeit
    Wenn nun die Pflanzenfamilie wechselt, müssen sich die Pflanzenfresser auf etwas neues einstellen. Eine andere Immunabwehr, andere Abwehrstoffe und vieles mehr. Und wenn sie dann wieder wechselt, gibt es wieder den Bedarf sich anzupassen. So bleibt der Ertrag hoch, weil die Pflanzenfresser sich immer neu orientieren müssen.
    Bei Monokulturen sinkt der Ertrag hingegen etwas bis sich das ökologische Gleichgewicht bildet.
    Das liegt bei einigen Sorten aber sehr niedrig bei anderen recht hoch.

    Alle diese Effekte wurden in Blindversuchen aufwendig nachgewiesen. In den meisten Gärten fallen sie kaum auf, da die Probleme der Pflanzen vielfältig und die Erträge gering und selten gemessen sind.

    Ein Beispiel: Ein Kleingärtner in meinem alten Verein hatte eine eine Lieblingskartoffel, die er seit 20 Jahren anbaute. Immer die selbe Fläche (ca. 2/3 des Gartens) und immer die selbe Sorte. Er fand Aufzeichnungen aus den ersten Jahren, weil er da so viele hatte und war sich unsicher wie er mit dem Minderertrag nach 20 Jahren Monokultur umgehen sollte. Wollte aber nicht auf seine eigenen Kartoffeln verzichten. Ich riet ihm einfach mal die Sorte zu wechseln, was er auch tat und unglaubliche 40 % Mehrertrag zu den Vorjahren hatte.

    Bei einer langen Monokultur kann sogar ein Sortenwechsel viel bringen.
    Der zweite Tipp war Feldsalat als Zwischenfrucht anzubauen. Da stellt sich das Bodenleben im Herbst auf den Feldsalat ein und im Frühjahr gibt es wieder Kartoffeln als Abwechslung. Diese Maßnahme brachte laut seiner Angabe nochmal fast 30 % Mehrertrag zu den Monokulturjahren.

    Er nutzte dann einen Wechsel aus 2 Kartoffelsorten (eine davon seine Lieblingssorte) mit Feldsalat-Zwischenfrucht im Winter.
    • Hallo, wie sieht es aus mit mehrjährigen Pflanzen und Pflanzenfressern ,wie bsw. die ewige Zwiebel?
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    • Bei allen mehrjährigen stellt sich Bodenmüdigkeit ein. die meisten Stauden haben eine recht hohe Selbstverträglichkeit, aber da kommst du nie auf dieBei allen mehrjährigen stellt sich Bodenmüdigkeit ein. die meisten Stauden haben eine recht hohe Selbstverträglichkeit, aber da kommst du nie auf die gleichen Erträge wie bei einjährigen Gemüsen. Dort gilt weniger Arbeit = weniger Ertrag. Deswegen gibt es bei macnchen Stauden mit geringer Selbstverträglichkeit auch Standortflüchter wie Kaskadenzwiebel oder Erdbeeren,
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