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    Braunfäule-Spezial:
    Der Braunfäulepilz (Phytophtora infestans) hat Zoosporen - die sind wie kleine Bakterien. Die nutzen zur Verbreitung Spritzwasser, aber können das auch selbst, das dauert nur länger. Die Pflanzen - z.B. hier Kartoffeln als Beispiel - werden befallen (nicht sichbar), dann arbeitet sich der Pilz durch die Leitungsbahnen (Blätter beginnen Gelb zu werden) und gleichzeitig kriechen die Sporen außen die Stiele hinauf und befallen die äußere Haut (Braunfärbung). Wenn das Immunsystem der Pflanze scheitert, durchdringt der Pilz den Stiel und die Blätter welken und werden dann braun (z.T. durch den Befall des geschwächten Gewebes, z.T. durch Absterben).
    Wenn es Spritzwasser oder sonstige Übertragungen auf die Blätter gibt (z.B. mit Kartoffelkäfern), sterben auch dort Stellen ab und verbraunen, wenn das nicht passiert (z.B. durch Mulch verhindert), dann passiert es nur wie oben beschrieben.

    Das einzige was hilft, ist 6 Jahre keine Wirtspflanzen (z.B. Tomaten, Kartoffeln) anzubauen oder im Notfall mit Fungiziden (z.B. Kupfer oder systemische [Vorsicht: Verbleiben in der Pflanze]) gegen zu steuern.

    Jeder Krümel, der von der trocken Pflanze auf den Boden fällt, jeder Rest vom befallenen Stiel, der in der Erde verbleibt, bringt dir den Pilz im kommenden Jahr wieder.
    Egal wie gedüngt und geerntet, wird, das lässt sich nicht unter Kontrolle bekommen. Nur mit Fruchtfolge und Feldhygiene.

    Hygiene:
    'Die Pilze können sich nur wenige mm pro Tag bewegen, werden aber mit Erde (z.B. an Schuhen und Geräten) verschleppt.
    Dann müssen die Ausbreitungsspezifika bedacht werden: Kohlhernie mag nasse, sauer Böden. Mit Kalkung kann man die Auswirkungen unterdrücken ohne den Pilz loszuwerden (machen die großen Kohlanbaugebiete).
    Braunfäule tritt ab einer bestimmten Bodentemperatur erst hervor - meist Mitte Juni und wird über Spritzwasser übertragen, auch bewegt sich der Befall auf Blättern schneller als auf Stängeln.

    Dann muss ich schauen was ich mit den Abfällen mache:
    - Verbrennen? Da gehen C, N und S an die Luft verloren und kommen nicht zurück in den Kreislauf.
    - Kompostieren? Alle loben die Heißrotte, aber sie immer und überall hin zu bekommen, ohne dass ein Teil des Kompost sie nicht bekommt, ist schwierig - ich habe Braunfäule mir aus einem Gütekompost geholt, und der muss zu 95 % Heißrotte gehabt haben. Aber die übrigen 5 % reichen aus, um alles zu infizieren.
    - Fermentieren / Vergären? Dazu gibt es wenig Forschung und ob es bei Braunfäule hilft, bin ich nicht sicher. Die Anaeroben Bedingungen schädigen den aeroben Pilz, aber ob Dauerformen das trotzdem überstehen ist unklar.
    - Gesonderter Kompost? Verseucht den anderen Kompost und die Beete nicht, aber es müssen auch gesonderte Werkzeuge genutzt werden, sonst wird er wieder mit diesen übertragen.
    - Flächenverrottung im Obst? Geht auch, wenn das Werkzeug ihn nicht überträgt.
    - Verkohlen? Da gehen immer noch N und S in großen Teilen an die Luft verloren und es muss vorsichtig gemacht werden, dass keine Reste unbehandelt bleiben.
    - Fruchtfolge? Eine weite Beet-Fruchtfolge mit mehr als 6 Kulturen verhindert, dass Tomaten/Kartoffeln innerhalb von 6 Jahren doppelt auf dem Feld stehen. Da der Pilz sich im Boden bewegen kann, geht das nicht für Misch- und Streifenkulturen, sondern nur für ganze Beete. Auch hier ist die Übertragung mit den Werkzeugen kritisch.

    Und wie der Pilz vorbeugend eingeschränkt wird:
    - Boden dämpfen? Energieaufwendig und tötet alles andere auch mit ab.
    - Bodenentseuchung? Ist mittlerweile glücklicherweise verboten, denn Gifte töteten nicht nur alles Bodenleben, sondern gelangten auch ins Grundwasser.
    - Separate Beete für Braunfäule-Kulturen? Bei Kartoffeln möglich und dann halt nur mit Erträgen bis Befall zu stark ist (August) und dann Folgekulturen. Bei Tomaten wenig sinnvoll, da dann der Hauptertrag weg fällt.
    - Überdachung? Um Spritzwasser zu verhindern sehr gut, aber es darf dann nicht beim Gießen und durch Kondenswasser Wasser auf den Boden tropfen und an die Pflanzen spritzen.
    - Mulchen? Geht, wenn der Mulch abtrocknet. Wenn der feucht bleibt, dann kriecht der Pilz (Braunfäule hat begeiselte Zoosporen) in der Feuchte auf den Mulch und überträgt sich von da mit Spritzwasser.
    - Untere Blätter entfernen? Reduziert den Befall mittels Spritzwasser, es sollten die Blätter aber nur bis zum unteren Fruchtstand abgemacht werden und dann mit der Ernte nach oben folgernd, da sonst zu wenig Photosynthesefläche übrig bleibt.
    - Hydrokultur? Wenn der Pilz nicht ins Wasser eingeschleppt wird, und von der Seite nicht heran spritzt, bleibt die Pflanze gesund. Steinwolle, Sand usw. wurden deswegen und wegen weniger Insektizideinsatz entwickelt. Einige Schädlinge wohnen aber auch in der Steinwolle z.B. Thripse, Trauermücken, auch muss die Steinwolle immer entsorgt werden, wenn sie mit dem Pilz infiziert ist, denn er hält sich auch da lange.

    Achtung: Saatkartoffeln müssen zertifiziert sein, sonst können sie infiziert sein und Braunfäule wieder mitbringen.

    Bekämpfung:
    Befallene Pflanzenteile und stark befallene Pflanzen entfernen, um durchdringung des bestandes aufzuhalten oder zu verlangsamen.
    Notfalls Fungizidspritzung:
    - Kupfer tötet Braunfäule, wie alle anderen Pilze, reichert sich aber im boden an und tötet auch Teil des bodenlebens, sollte nicht verwendet werden. Hat schädliche Auswirkungen auf Kaltblüter z.B. Fische verlieren Geruchssinn.
    - Schwefel bildet Schutzschicht, muss aber nach jedem Regen erneuert werden. Schützt nicht zu 100 %, wenn die zoosporen nicht benetzte Stellen befallen.
    - Rohmilch (Achtung: Frischmilch funktioniert nicht) enthält ein spezielles Eiweis, das die Pilzsporen für Pflanzenzellen halten, daran andocken, keimen und dann verhungert sterben. So werden alle Sporen abgehalten. Muss auch nach jedem Regen erneuert werden.
    - Systemeische chemische Fungizide dringen in die Pflanze ein und verteilen sich mit dem Saftstrom. Helfen auch gegen starken befall. Verbleiben aber mit unbekannten Auswirkungen in der Pflanze.
    Da Krebs als Gärtnereische Berufskrankheit angesehen wird, würde ich auf solche mittel lieber verzichten.
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