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Kürbisse ernten im „verrückten Labyrinth“
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…ist im Hausgarten ganz einfach. Gartenschere in die Hand nehmen, Kürbis im Blätter- und Stängelgewirr suchen und finden, abschneiden, hochheben, einlagern – fertig!

(Geht auch im großen Stil mit fahrbaren Zelten, Fließbändern und vielen Menschen. Wer sich das mal angucken will, dem sei dieses Video empfohlen: https://www.youtube.com/watch?v=rIvkgapWDzA)

Und dann gibt es die Kürbisernte im verrückten Labyrinth der Samengärtnerei, wenn es für die Vermehrung/Züchtung wichtig ist, eine Einzelpflanzenauslese zu machen. Da ist es dann plötzlich nicht mehr so einfach:
Gartenschere in die Hand nehmen, Kürbispflanze im Blätter- und Stängelgewirr suchen und finden – und dann geht’s erst richtig los: sich für einen Trieb entscheiden und diesem folgen, bis ihr auf den ersten Kürbis stoßt. Heißt: im Blätter- und Stängelgewirr den Blick fest auf den ausgewählten Trieb heften, loslaufen, ohne dabei zu stolpern oder sich Gesicht und Hände zu sehr verkratzen, kreuz und quer den wilden Trieben hinterher! (Da lohnt es sich, schon in der Kindheit mit dem Enträtseln der Labyrinth-Bildchen angefangen zu haben. 😉) Wenn die Triebe zu sehr ineinander verschlungen sind, den verfolgten durchschneiden, um ihn später besser zurückverfolgen zu können. (Wenn Mensch nicht allein erntet, kann es auch sein, dass es unterwegs Begegnungen mit anderen Kürbisjäger*innen gibt. In dem Fall: Freundlich grüßen oder einen Spruch klopfen, z.B. „na so was, Du auch hier?!“, auf gar keinen Fall aber den Trieb aus den Augen lassen!)
Und dann ist hoffentlich bald der Moment gekommen: Ein Kürbis liegt vor Euch! Schere zücken und abschneiden – am besten nicht direkt am Stiel, sondern ein kurzes Stück der ankommenden Triebe und Blätter stehenlassen. Die trocknen im Lager schnell ein und so bleibt der Stiel gut intakt, was die Lagerfähigkeit etwas verbessert. Den abgeschnittenen Kürbis kurz liegen lassen und kontrollieren, ob noch weitere Früchte an dem Trieb hängen und diese ebenfalls abschneiden. Der Triebrest kann dann Richtung Acker-/Beetrand befördert werden, was es etwas übersichtlicher werden lässt. Die gefundenen Kürbisse zur Ursprungspflanze tragen und dem nächsten Trieb folgen, bis alle Kürbisse einer Pflanze zugeordnet sind.
Kann eine Weile dauern, macht aber auch Spaß, weil dabei sehr deutlich erkennbar wird, wie wild diese Pflanzen durcheinander wachsen und was für Strecken sie dabei zurücklegen: Wir haben schon Kürbisse geerntet, die auf der anderen Seite des Baches wuchsen, drei Meter vom Feld entfernt!
Anschließend wird ausgewertet. Im Idealfall habt ihr schon vor der Ernte immer mal wieder verschiedene Auslesekriterien angewandt und die entsprechenden Pflanzen eindeutig markiert: Wie ist die Wuchsform, bzw. wie wollt ihr sie? Rankend oder nicht rankend? Sind die Blätter einheitlich? War die Blüte früh genug oder erst im Spätsommer, weil die Pflanze noch an den 12-Stunden-Tag Mittelamerikas gewöhnt ist? Konnte schon früh geerntet werden? Waren die Pflanzen gesund bzw. wie war ihr Umgang mit Echtem Mehltau oder Virosen? Manchen Pflanzen gelingt es trotz Krankheitsbefall, gut weiterzuwachsen. Sind Einkreuzungen erkennbar? …
Nach der Ernte lässt sich diese erste Auslese dann ergänzen: Welche Pflanze hat besonders viele Früchte getragen? Entsprechen sie dem Sortenbild – oder Eurem Züchtungsziel? Sind sie gut ausgereift? Usw. Nun werden die Kürbisse beschriftet, um sie zuordnen zu können – und später vielleicht noch eine Geschmacksauslese zu machen oder die Lagerfähigkeit mit einzubeziehen.
Das Wichtigste zum Schluss: Sortenerhalt bei Kürbissen funktioniert nur, wenn es keine Einkreuzungen gibt, sonst gehen Eigenschaften sehr schnell verloren! Es lohnt sich daher, die eigenen Kürbisarten zu kennen, da diese sich fröhlich miteinander verkreuzen können. Ausführlich nachzulesen im „Handbuch Samengärtnerei“ der Arche Noah, Pro Specie Rara und Andrea Heistinger.
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