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Input-Reihe Teil 3: die Nährstoffe
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Im letzten Input-Post von mir ging es um die organische Substanz im Boden. Die organische Substanz besteht zum Einen aus abgestorbenen Pflanzenteilen im und auf dem Boden - also Wurzeln, heruntergefallene Blätter und Äste. Zum Anderen sind die zahlreichen Bodenlebewesen wichtig, da die wiederum die alten Pflanzenteile zersetzen und abbauen. Bei der Zersetzung der alten Pflanzenteile durch die Bodenlebewesen wird Humus gebildet, der wichtig ist, damit der Boden gut Wasser speichern kann, und es werden die grundlegenden Pflanzennährstoffe freigesetzt.

Die Pflanzennährstoffe, die die Pflanze in den größten Mengen braucht, sind Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Aber es gibt zahlreiche weitere Stoffe, die alle in größeren oder kleineren Mengen essentiell sind, wie z.B. Calcium (Ca), Magnesium (Mg), Schwefel (S), oder Zink (Zn).

Die meisten Nährstoffe, die insgesamt im Boden sind, sind noch in den komplexeren organischen Verbindungen gebunden und müssen erst noch zersetzt werden (biologisch bzw. bio-chemisch wie oben beschrieben) oder verwittert werden (durch physikalische Einwirkung freigesetzt werden, z.B. durch Wetter, Reibung durch Wasser & Wind, etc.).

Von der Gesamtmenge der im Boden befindlichen Nährstoffe liegt meist nur ein ganz kleiner Teil direkt „pflanzenverfügbar“ vor. Nährstoffe sind dann für die Pflanze verfügbar, wenn sie (1.) bereits aus der organischen Substanz freigesetzt sind und im Bodenwasser „gelöst“ sind (das nennt sich dann auch „Bodenlösung“) und (2.) wenn die Wurzel der Pflanze Zugang zu der Bodenlösung hat.

Freigesetzte Nährstoffe werden an mineralischen Bodenteilchen (v.a. an Ton) und an organischen Bodenteilchen (v.a. an Humus) "austauschbar" gebunden. Das heißt, sie kleben an den mineralischen oder organischen Bodenteilchen wie mit einem Klettverschluss fest, und wenn aber eine Pflanzenwurzel angeschlichen kommt und Bedarf anmeldet, geben sie die Nährstoffe der Pflanze ab. Die Nährstoffe werden dann von den Pflanzenwurzeln, mit dem Bodenwasser, aufgenommen.

Als Zusammenfassung nun ein kleines Zitat:
"Ein Boden ist fruchtbar für eine gegebene Pflanzengattung, wenn er die für diese Pflanze notwendigen mineralischen Nahrungsstoffe in gehöriger Menge, in dem richtigen Verhältnis und in der zur Aufnahme geeigneten Beschaffenheit enthält."
Justus von Liebig, Agrikulturchemie, 1865

Nun "verschwinden" Nährstoffe aber auch aus dem Boden. Einmal werden sie von den Pflanzen während des Wachstums gebraucht, aufgenommen, aufgebraucht. Einige essentielle Nährstoffe sind auch sehr "mobil" im Boden. z.B. mineralischer Stickstoff und Kalium und können je nach Bodenart mit der Zeit im Wurzelraum bei starkem Regen ausgewaschen werden. Dies passiert vor allem gerne auf sandigen Bodenarten und Boden mit wenig organischer Substanz (die die Nährstoffe ja "festhalten" könnte...) Durch eine mikrobielle Umsetzung von Stickstoff kann es auch zu gasförmige Verluste dieses Nährstoffs kommen.

Lassen wir hierzu nochmal Liebig zu Wort kommen:
"Wenn ein Boden seine Fruchtbarkeit dauernd bewahren soll, so müssen ihm nach kürzerer oder längerer Zeit die entzogenen Bodenbestandteile wieder ersetzt werden, d.h. die Zusammensetzung des Bodens muß wieder hergestellt werden."
Justus von Liebig, Agrikulturchemie, 1865

Das heißt in kurz: was wir, bzw. die Pflanzen beim Wachstum dem Boden entziehen, müssen wir ihm auch wieder zurückgeben. Nur so kann er dauerhaft seine Fruchtbarkeit erhalten.

Wie machen wir das:
Die Rückführung oder Wiederauffüllung von Nährstoffen kann einmal „künstlich“ passieren, in dem Kunstdünger, also synthetisch hergestellter Dünger, verwendet wird. Dabei werden dem Boden neue Nährstoffe zugeführt. Kunstdünger konzentrieren sich oft auf die Düngung mit den Hauptnährstoffen N, P, K, S. Dabei wird N mit hohem Energieaufwand aus der Luft geholt und zu Dünger verarbeitet; P und K wird aus "natürlichen Vorkommen" gewonnen, das heißt in Mienen bzw. Tagebauen abgebaut, transportiert, weiterverarbeitet, transportiert... Vor allem P-Mienen sind oft weit weg, da es in Deutschland und Europa gar keine natürlichen Phosphat-Vorkommen gibt.

Die Düngung von Nährstooffen kann aber auch „natürlich“ passieren, durch die Zugabe von Kompost auf der Basis von Pflanzenresten. Kompost liefert nicht nur Nährstoffe aus Abfällen, sondern gibt dem Boden auch organische Substanz, bietet die Nahrungsgrundlage für das Bodenleben, und verbessert so die Nährstoffverfügbarkeit, die Wasserhaltekapazität und die Bodentemperatur.

D.h., fast alles was die Pflanze braucht (siehe ganz oben), genau das bringt der Kompost rein in den Boden! Toll! Für schnellwachsende, stark zehrende Pflanzen (viele Gemüsekulturen) wird aus Kompost jedoch der essentielle Stickstoff eher zu langsam freigesetzt und wird dann meist zusätzlich gedüngt. Hierfür eignet sich z.B. Brenesseljauche, Urin oder auch Hornspäne.

Und nun nochmal die Zusammenfassung mit Bezug auf das Bild dieser Gruppe:
Um einen Gartenboden für die Pflanzenversorgung fit zu machen und zu halten, braucht es Nährstoffe und organische Substanz als Nährstoffspeicher, Wasserspeicher und Lebensraum sowie Futter für Bodenlebewesen. Auf einem Boden ohne Nährstoffe, ohne Humus, und ohne Bodentiere kann nichts wachsen.

Soweit zu den Nährstoffen als Einleitung. Mehr dazu bald, wir basteln nämlich grade an einem kleinen "Handzettel Düngung" für euch. Außerdem will ich euch auch ein paar Varianten und Ansätze für die Kompostierung von Haus- und Gartenabfällen vorstellen. Bis bald also... KanTe Ari
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