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Die Düngung von Gemüsebeeten - wieviel Nährstoffe hat mein Boden, was braucht mein Boden?
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Die für ein gesundes Pflanzenwachstum notwendigen, also "essentiellen" Nährstoffe sind Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), Magnesium (Mg), Kalzium (Ca) und Schwefel (S) und in weitaus geringeren Mengen auch Eisen, Zink, Bor, Mangan, Kupfer, Molybdän und Chlor.

Wenn die Pflanzen wachsen, nehmen sie diese Nährstoffe aus dem Boden auf und bauen sie in ihr Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchtmaterial auf. Dabei "entziehen" sie die Nährstoffe dem Boden oder der Gartenerde. Um die "Speisekammer" an Nährstoffen wieder aufzufüllen, düngen wir.

Für die Basisversorgung unserer Beete steht also die jährliche Nährstoffrückführung durch die anfallenden Pflanzenreste im
Vordergrund, z.B. über Kompost oder Pflanzenjauche. Der Kompost sollte größtenteils aus Pflanzenresten von der eigenen Gartenfläche bestehen. Kompost hat den Vorteil, dass er nicht nur Nährstoffe im Boden/der Erde wieder auffüllt, sondern, diese auch sehr langsam abgibt und, gleichzeitig Humus im Boden wieder aufbraucht. Kompost ist also sozusagen Dünger für organische und mineralische Elemente im Boden.

Wieviel Kompost solltet oder könnt ihr aufbringen? Das hängt davon ab, was du anbauen willst und wieviel Nährstoffe die Pflanzen brauchen werden (dazu wann anders mehr...); und es hängt davon ab, was noch an "Vorrat" im Boden vorhanden ist.

Welchen Nährstoffvorrat hat mein Boden bereits? Um das rauszukriegen, könnt ihr von euren Beeten "Bodenproben" nehmen und analysieren lassen, z.B. bei der LUFA, dem Raiffeisen Laborservice oder einem anderen Zentrum für Bodenanalysen. Kostenpunkt: je nach Umfang, 30,- bis 70,-. Ihr bekommt dann meist ein Päckchen, mit einer Anleitung wie die Probe zu nehmen ist, dazu ein Tütchen. Wenn ihr die Probe genommen und eingeschickt habt, dauert die Analyse ca. 1-2 Wochen. Dann bekommt ihr per Mail oder Post die Ergebnisse. Hier wird auch entsprechend der ermittelten Nährstoffgehalte und Bodenarten individuelle Düngungs-Empfehlungen gegeben. Bodenproben eignen sich zur Überprüfung eurer Nährstoffversorgung und könntet im mehrjährigen Abstand immer im Frühjahr machen, z.B. alle 3 Jahre.

Wenn ihr das mal macht, werdet ihr warhscheinlich sehen, dass manche Nährstoffe ausreichend vorhanden sind, manche zu wenig, manche zu viel; "zu wenig" und "zu viel" bezieht sich auf Durchschnittswerte und Tabellenwerte die sagen, welche Werte im Boden ausreichend gut sind, um die Pflanzen zu ernähren. Zu viel ist nicht immer doof, aber manchmal schon. Wenn wir z.B. zu viel Stickstoff pder Phosphat düngen, obwohl im Boden schon Vorräte sind, also wie mehr oder viel mehr düngen, als die Pflanzen aufnehmen können, besteht die Möglichkeit und die Gefahr, dass die Nährstoffe mit dem Regen "ausgewaschen" werden und in Bächen, Flüssen oder dem Grundwasser landen. Zu viel Nährstoffe in dieser Gewässern, führt jedoch dazu, dass die grün werden, weil Algen wachsen; dann ändert sich das ganze Ökosystem im Wasser, es gibt weniger Sauerstoff, Fische sterben... wir nennen das Eutrophierung.

Deshalb ist schon wichtig, dass wir ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wie viel Nährstoffe brauchen meine Pflanzen, was ist in meinem Boden drin, was in meinem Dünger und dann einen ausblancierten Kreislauf aus "Entzug durch die Pflanze" und "Auffüllen der Vorräte durch Düngung" hinbekommen. Bodenanalysen und Zahlen können hier helfen, das Einschätzen zu können. Und: die Düngung mit Kompost ist viel wert, da dieser nicht nur die Nährstoffe liefert, die die Pflanzen brauchen, sondern da Kompost viele Nährstoffe "speichert", und sie erst langsam, über die Zeit "abgibt", d.h. die Nährstoffe in Kompost können nicht so schnell ausgewaschen werden. Und Kompost liefert nicht nur Nährstoffe, sondern auch Humus, der wiederum dazu beiträgt dass mehr Nährstoffe und auch Wasser im Boden gehalten werden.

Welche Dünger wieviel Nährstoffe haben, dazu mehr beim nächsten Mal...
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  1. vor 2 Wochen
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Lieber Werner, auf deine Frage, ob du den Kompost einfach so draufstreuen kannst, oder eher neben den Pflanzen in die Erde einarbeiten sollst, ist die Antwort: alles ist möglich, gibt verschiedene Ansätze ;-)
Ich kenne folgende Optionen:
(1) Eine sehr häufige Praxis ist es, den Kompost auf die Beete zu streuen und dabei schon gut zu verteilen; dann wird der Kompost mit einem Hand-Grubber oder einer Harke in den Boden eingearbeitet. Es reicht, wenn der Kompost so 20-30 cm tief eingearbeitet wird. Hier gilt, wie im Ökolandbau: eine schonende Bodenbearbeitung schont Boden und Klima (L1) und dazu gehört auch, den Boden nicht so tief "aufzureißen". Dies gilt vor allem für Beete, die wir jedes neu einsähen, z.B. Gemüsebeete.
(2) Wenn ihr Hochbeete neu anlegt oder im Frühjahr neu aufschüttet, könnt ihr z.B. eine tiefere und eine mittlere Schicht mit Kompost füllen. Hier wird später die wachsenden Pflanze ihre Wurzeln haben, über die sie die Nährstoffe aus dem Kompost ja aufnimmt.
(3) Wenn ihr gut und dicht bedeckten und bewachsenen Boden habt, zum Beispiel ein Blumenbeet mit mehrjährigen Stauden und Gras oder anderen Bodenbedeckern, dann tragen diese auch durch ihre Wurzeln im Boden zum Humusaufbau bei. Hier würde es eher stören, wenn wir ein Loch machen für den Kompost, weil dadurch die Wurzeln kaputt gehen können. Hier vielleicht eher mit einem flüssigen Dünger 1-2 mal im Jahr düngen, z.B. Vinasse oder Urin.
(4) Sträucher und Bäume an deren Fuss erdig ist, dünge ich mit Kompost, in dem ich um ihren Ansatz herum Kompost überirdisch verteile und etwas eingrabe, soweit das geht, wenn da z.B. Gras wächst. Alle 3 Jahre oder so könnt ihr auch mal ein Loch in der Nähe des Baums oder Busches machen, und da eine größere Menge Kompost (5-10 Liter so) eingeben. Dann wird das auch den Boden lokal verbessern, Nährstoffe liefern, und gleichzeitig ist der Eingriff in den Boden möglichst minimal.
Also du siehst, es gibt keine eindeutige Antwort und keinen optimalen Ansatz; aber viele gute Lösungen angepasst auf verschiedene Situationen.
Wer kennt denn noch andere? Freu mich über Ergänzungen.




L1: https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/pflanze/grundlagen-pflanzenbau/boden/reduzierte-bodenbearbeitung/
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  1. vor 2 Wochen
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Da es mich gerade interessierte, habe ich recherchiert, wo überall es Bodenanalysen gibt:

* Raiffeisen: https://www.raiffeisen-laborservice.de/gartenbau-bodenanalyse-basis

* Bodenkaiser/Reblu: https://www.bodenanalyse-zentrum.de/

* LUFA https://www.landwirtschaftskammer.de/lufa/analysen/boden/index.htm (ich vermute, unsere Projekte werden bei "Haus und Kleingarten" eingeordnet.

* Apothekenlabor: https://www.apotheken-labor.de/umweltanalysen/53-bodenanalyse

* Koldingen/Agrolab https://www.agrolab.com/de/standort-agrolab-koldingen-sarstedt.html

Die Preise sind recht unterschiedlich (wie @KanTe Ari schon erwähnt hat)
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  1. vor 2 Wochen
Akzeptierte Antwort
Danke, ich habe bei meinem Beet schon gemerkt, dass wir da zuwenig gedüngt haben. Manchmal legen wir die welken Blätter einfach wieder zur Pflanze.

Nächstes Jahr gibts jedenfalls gleich zu Anfang des Jahres einiges an Kompost in die Erde.

Kann ich Kompost einfach so draufstreuen, oder muss ich den neben den Pflanzen in die Erde einarbeiten, also etwas vermischen?
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