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No-Dig-Beete und max. Kompostmenge auf dem Beet - Ein Widerspruch?
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Ich bearbeite 50 m2 Feld im Projekt StadtGarten Landshut e. V. Wir sind nun im 3. Jahr auf dem Standort. Vorher war dort eine Wiese, die zu fast 100 % aus Quecke bestand. Die letzten 2 Jahre habe ich einen Teil meiner Fläche immer mit Silofolie abgedeckt, um die Quecke zu ersticken. Das hat gut geklappt. Nun soll es ohne Folie weiter gehen. Der Boden ist allerdings sehr dichter Lehm. Wenn man ihn aufbricht, entstehen große Brocken. Sobald es regnet, verschlämmt der Boden wieder. Wir haben auf dem Gelände sehr viel Wind. Daher trocknet der Boden schnell aus und bildet eine harte Kruste und Brocken, die man mit der Hand nicht mehr zerdrücken kann. Im Fachjargon heißt das wohl mineralisierter Boden.
Ich habe mich daher entschlossen, die No-Dig-Methode von Charles Dowding anzuwenden. Dabei wird der Boden zunächst mit Pappe abgedeckt und anschließend eine dicke Schicht Kompost (5 - 10 cm) aufgetragen. Die Methode heißt wohl auch Lasagne-Technik. In den Kompost wird dann gepflanzt. Die Kompostschicht dient dabei als Mulch und nicht als Dünger.
Meine Intention war es, den Bodenlebewesen Humus zur Verfügung zu stellen, damit sich mittelfristig der bestehende Boden und der Kompost vermischen und der Boden damit humusreicher und damit lockerer wird. Auf Dauer möchte ich die Methode eigentlich nicht anwenden, da - in Ermangelung von so viel Kompost im Garten - der BIO-Kompost zugekauft werden muss. Er enthält viele holzige Teile und trocknet an der Oberfläche auch schnell aus. Die Ansaat von Möhren hat jedoch gut geklappt.
Im Verein - und auch bei mir - bestehen jedoch Bedenken, dass dem Boden damit zuviel Dünger zugeführt wird und dass auch Düngerstoffe ausgewaschen werden könnten. Gibt es Untersuchungen darüber?
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  1. vor 4 Monaten
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Hallo Volker,
vielen Dank für die umfangreiche Antwort. Das werde ich mir nach und nach alles genauer anschauen.

Sophie
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  1. vor 4 Monaten
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Hallo Sophie,

du hast da recht viele Fragen auf einmal. Und auch vielfältige Probleme. Leider gibt es da kein Buch, was alle Punkte gut abhandelt. Ich würde hier ein paar Sachen aus meinem Gartenbau-Studium und der erlebten Praxis anmerken, kann dir aber keine genaue weiterführende Literatur geben. Du musst nach Bodenkunde, Düngung, und Gemüsekulturen schauen.
Einen recht guten Einstieg bieten die Kulturanleitungen für Öko-Gemüse-Experimente: https://www.fibl.org/de/shop/1433-versuche-gemuesebau.html

Zu den Fragen:
Du hast die Quecke nicht erstickt, sondern mit Folie mit Lichtmangel verhungert und ausgetrocknet. Wenn die Treibe lang genug sind, kann sie von außerhalb versorgt worden sein und wieder kommen.

Der Lehm ist nicht automatisch dicht, wenn er brockig ist. "Krümel" können im Pflanzenbau auch Kopfgroß sein. Wichtig wäre die Farbe: Wenn er gelb oder grau ist, fehtl es massiv an Humus, dann musst du da einschreiten. Bist du sicher das es Lehm ist - hast du die Ausrollprobe gemacht? https://urbane-gaerten.de/community/Stream/Eintrag/2867

Der Kompost auf dem Beet ist keine reine Mulchschicht sondern auch Substrat und Dünger. Er ist immer düngend.
Das ist ok so.
Es kommt aber auf den Kompost an, ob und wie viel er düngt. Bei hohem Holzanteil ist die Düngewirkung viel geringer als bei Grasschnittkompost. Deswegen gibt es da keine klaren Düngemengen, da der Kompost zu stark nach Ausgangsmaterial variieren kann.
Macht ihn am besten selbst aus eurem Biomüll, unerwünschten Pflanzen, Schnittgut usw.

Die Pappe ist ein Problem. Ohne sie kann das Bodenleben den Kompost einmischen und so eine Humusschicht wieder aufbauen, ohne dass du den Boden stören musst. Im besten Falle verrottet die Pappe schnell und dann kann das Bodenleben loslgegen, auch wenn es durch die Siloplane wohl eher in Ruhephase ist. Aber aus dem Kompost kommt ja auch neues nach.
Im schlimmsten Fall findest du im Herbst noch die Pappe wieder und musst sie dann im kommenden Jahr weg lassen.

Wenn der Boden sehr kaputt und sehr dicht ist (stich mit dem Messer ein und prüfe die Dichtigkeit nach Bodenkundlichen Kartieranleitung oder dem folgenden Link im nächsten Absatz) könntest du ihn im Frühjahr 20 cm aufgraben, 5 - 10 cm Kompost einfüllen und ihn wieder schließen - aber ohne zu wenden. Wenden zerstört Bodenstruktur und verdichtet somit, tötet Bodenleben und verbraucht Humus. Das solltest du aber nicht in den Folgejahren machen, sondern es dann dem Bodenleben überlassen.

Schau mal wegen der Dichtigkeit hier: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjxlojrvvLwAhW76uAKHb0CBSIQFjAAegQIBBAD&url=https%3A%2F%2Fwww.boden.tu-berlin.de%2Ffileadmin%2Ffg77%2F_pdf%2FRote_Liste%2FRote_Reihe_Heft_40.pdf&usg=AOvVaw31p9zkFyQpiUYCpbAejxGR auf Seite 7 bis 9

Und https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwj3mOSWwPLwAhU88uAKHR2rD0sQFjABegQIAhAD&url=http%3A%2F%2Fbfw.ac.at%2Fcms_stamm%2F030_Bibliothek%2FPDF%2FBodenkundlPraktikum_klein.pdf&usg=AOvVaw00g1001vbAPeR2qHDZD82g da die ganze Anleitung zur Bewertung des Bodens.

Richtig überdüngen kannst du den Lehm mit Kompost nicht, da er zu den fruchtbarsten Böden gehört und sehr große Mengen an Nährstoffen zwischenspeichern kann. Selbst bei Auswaschungsgefährdeten Böden wie Sand ist eine Kompostüberdüngung mit Auswaschung nur unter Komposthaufen zu finden.
Eine Bepflanzung mindert das, da die Pflanzen die Nährstoffe benötigen.
Am besten lässt sich das über Stickstoff (N) machen - je nach Ausgangsmaterial müsste der Kompost eine bestimmte Menge N pro Liter haben und dann schaust du deine gewünschte Kultur in der Quelle oben an, wie viel N die braucht und dann rechnest du einfach den Kompostbedarf pro m² aus. Achte darauf, dass aus dem Kompost maximal 1/3 der Nährstoffe im ersten Jahr frei werden und plane entsprechend mehr ein.

Wenn dein Beet jetzt läuft, solltest du erst einmal nichts machen. Die Pflanzen werden durch den Kompost zum Teil in den normalen Boden wurzeln. Ein Teil dieser Wurzeln wird bei der Ernte verbleiben und Humus werden. Aus dem Kompost frei werdende Nährstoffe werden von den Pflanzen direkt aufgenommen oder landen im Boden und werden dort heraus gezogen.


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