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Fragen & Antworten aus der Sprechstunde Teil 2: Welche Arten von Kompostierung gibt es?
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In Teil 1 habe ich darüber geschrieben, dass die Kompostierung, also der Prozess in dem Bio"abfall" zu wertvollem Humus wird, in verschiedenen Phasen abläuft. Die Phasen unterscheiden sich nach
- der Zeit (in Wochen),
- den Kleinstlebewesen, die beteiligt sind (Hefen, Bakterien, Würmer, Käfer, Asseln),
- der Temperatur (20° bis über 70°C), und dann letztlich
- dem, was da passiert (Abbau, Umbau, Aufbau von Material).
Alles ist in dieser Grafik zusammengefasst dargestellt: Kompostierung Verlauf.png (240KB)
Quelle: https://www.kompost.de/themen/selbst-kompostieren/prozess

Nun gibt es verschiedene Namen für verschiedene Kompostierungsverfahren. Ich möchte nicht alle, aber ein paar, sehr häufig genannte und genutzte hier kurz vorstellen:

1) Eine Kompostierung, bei der hohe Temperaturen von über 60°C erreicht werden, und diese hohen Temperaturen auch für etwas längere Zeit gehalten werden, wird „Heißrotte“ genannt. Um eine Heißrotte zu erreichen, ist eine groß genuge Menge an Kompost notwendig. Begründung: über die Oberfläche des Komposthaufens gibt dieser Wärme ab und kühlt somit während er aufheizt (weil die Tiere aktiv arbeiten), gleichzeitig auch wieder ab. Damit der Haufen also im Inneren wirklich heiß wird, ist es wichtig, dass das Volumen, dass sich erwärmen soll, im Verhältnis zur Oberfläche groß genug ist.
Aber was heißt „groß genug“? Als grobe Daumenregel kenne ich: der Komposthaufen sollte mindestens 1 Kubikmeter Volumen haben, damit er in eine Heißrotte kommt. Kommt der Kompost in die Heißrotte, geht die Abbauphase vergleichsweise schnell und der Kompost ist nach 6 bis 12 Monaten fertig.
Neben dem schnellen Verlauf ist ein weiterer Vorteil der Heißrotte, dass bei den hohen Temperaturen auch keimfähige Samen und Pflanzenteile abgetötet werden. So wird "Phytohygiene" erreicht. Das heißt, wenn ihr den fertigen Kompost später nutzt, könnt ihr recht sicher sein, dass nur das keimt, was ihr gepflanzt habt und nicht noch Gräser, Tomaten, oder sonst was. Manchen ist das wichtig; anderen weniger...
Um die Heißrotte hinzubekommen braucht ihr aber auf einmal genug Material und auch etwas Wissen und Erfahrungen, wie geschichtet werden sollte, damit sich der Haufen wirklich gut und schnell genug aufheizt.
Meine Buchempfehlungen hierzu:
• Abtei Fulda: Kompost - Gold im Biogarten; Link: https://www.abtei-fulda.de/shop/gartenliteratur/kompost.html
• Martina Kolarek: Kompostieren! Biologisch, einfach, schnell.; Link: https://www.ulmer.de/usd-5605076/kompostieren-.html
• Gerald Dunst: Kompostierung und Erdenherstellung - Praxisbuch und Anleitung für: Hausgarten, Landwirtschaft, Kommune und Profi; Link: https://www.sonnenerde.at/de/produkt/buch-kompostierung-und-erdenherstellung/

Habt ihr noch weitere (Buch)Tips? Dann teilt sie gerne in den Antworten auf diese Post!

2) Kommt der Kompost nicht in die heiße Phase, kann von einer „Kaltrotte“ gesprochen werden. Der Abbau der gemischten Materialien passiert dann nicht so schnell und die Kompostierung dauert dann 1 bis 2 Jahre bis der Kompost fertig ist. Dieser Art dauert also länger, kann aber "bequemer" oder "einfacher" sein, denn ihr müsst nicht darauf achten, dass ihr genug Material habt um in die "heiße Phase" zu kommen. Viele Gartenkomposte, die so kontinuierlich über das Jahr immer wieder bedeckt/genutzt/gefüllt werden, und so langsam vor sich hinkompostieren, sind Kaltrotten. Da die heiße Phase nicht erreicht wird, werden hier auch keimfähige Samen und Pflanzenteile nicht abgetötet und es kann sein, dass noch Gräser, Tomatentriebe oder sonstige grüne Überraschungen als Beikraut aus der mit Kompost gedüngten Erde kommen. Wie gesagt, manchmal/manche stört das, andere nicht...

3) Und dann gibt es noch die Wurmkompostierung. Das ist eine Kompostierung, bei der besonders viele Kompostwürmer eingesetzt werden. Ich habe wenig Erfahrung mit Wurmkompostierung und mag daher nur wenig hier dazu schreiben. Aber ein paar Links kann ich mit euch teilen:
• Anleitung aus dem Buch "Gärtnern für eine bessere Welt"; online verfügbar unter: bit.ly/wurm-kiste
• Anleitung für Wurmkomposter im Innenbereich von Lisa Bjerke: https://urbane-gaerten.de/index.php?option=com_easysocial&view=groups&layout=preview&fileid=80&tmpl=component
• Ein Webinar der anstiftung von 2018 zum Thema "Wurmkompost": https://www.youtube.com/watch?v=dgUpb7sJSa4
• Ein Praxisblatt mit Bauanleitung für eine Wurmfarm (also für Gemeinschaftsgärten passend):
https://urbane-gaerten.de/107-praxisblaetter/urbane-gaerten/102481-infrastrukturen-selberbauen#wurm
• Eine Sammlung vieler Fragen und Antworten rund um Wurmkompostierung: https://hubus-berlin.de/faq/

Diese drei Arten von Kompostierung beziehen sich also darauf, was bei der Kompostierung passiert.
Es gibt nochmal drei Namen, die oft genannt werden, und die sich eher darauf beziehen, wie der Kompost aussieht. Das sind:
1) Der Kompost-Haufen Haufen.png (658KB)
2) Die Kompost-Miete Miete.png (745KB)
3) Der Komposter Komposter.png (594KB)

Quelle: https://commons.wikimedia.org (Haufen, Miete) und eigenes Bild (Komposter)

Eine Art von Kompost-Haufen, ein Haufen an Haufen sozusagen, ist das sogenannte "Drei-Kammer-System".
Wie dieser Kompost funktioniert, wird zum Beispiel in diesem Video gezeigt: https://www.youtube.com/watch?v=64HddQPFims
Eine Open Source Anleitung für eine 3Kammer-Kompostierung findet ihr zum Beispiel hier:
https://www.gartenwerkstadt.de/wp-content/uploads/2013/07/praxis_kompostierung.pdf

Die Kompostierung kann also in einem Haufen, oder 3 Kammen, einer Miete, einem Komposter passieren. Auch andere Varianten sind möglich; was kennt ihr noch? Teilt eure Tips, Ideen, Erfahrungen gerne mit allen in den Antworten!

Im nächsten Teil will ich dann auf die Fragen eingehen, welche Küchenabfälle "dürfen" auf den Kompost, welche nicht oder was gibt es da zu bedenken, bei der Entscheidung...
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