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Pflanzenkohle
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in diesem Xenius-Beitrag geht es unter Anderem darum, wie durch das Herstellen von Pflanzenkohle auch CO2 gebunden werden kann: https://www.arte.tv/de/videos/093002-016-A/xenius-co2/

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  1. vor 2 Tagen
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Hallo Malte,

wenn die Kohle im Wirtschaftsdünger mit ausgebracht wird, sollte sie auch mit bilanziert werden, denn sie ersetzt einen Teil der Biomasse und es muss somit mehr ausgebracht werden. Zumindest bei Kompost. Bei Mist und Gülle kann sie den Methanausstoß reduzieren und auch die Lachgas-Emmissionen.

Bei HTC-Kohlen war es immer wichtig die "Auszulüften", dass die ganzen giftigen, flüchtigen Gase "verschwinden" was ja ein starkes Abgas ist. Habe eine Masterarbeit zu einem Regenwurm-Vermeidungs und einem -Reproduktionsversuch betreut. Nach Ausgasung kommt es auf den Zuckergehalt an (HTC ist ähnlich dem Verfahren zur Holzverzuckerung), wenn da genug Zucker enthalten ist, lieben die Würmer das Zeug.

Aber das ist nicht was ich meinte. Wir sind hier bei Gemeinschaftsgärten u.ä. Da wird keiner EBC-Qualitätskriterien erreichen oder nur schwer. Ich habe oft in kleiner verwendung sehr teerhaltige Kohlen mit hohem Rußanteil gesehen.
Bei einem guten Holzvergaser geht es vielleicht, aber oft werden niederqualitative Kohlen verwendet, die dann eher giftig sind.

Ich empfehle dir wirklich mal zu der "Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung" zu schauen. Die lagen vor 2 Jahren in ihren Versuchen bei einer Herbizidbehandlung ("Brenner") in einer 6-jährigen Fruchtfolge. Das ist nicht nur einfach Zeug totspritzen.
Es gibt da nicht nur die Standard-Giftenden-Betriebe, sondern wirklich welche, die auch der Natur nicht dauerhaft schaden wollen und ja auch neben Essigessenz (typischer Brenner) noch andere nicht systemische Mittel wie Pelargonsäure auf Pflanzenbasis.
Nicht alle Betriebe haben die Möglichkeiten auf Bio umzustellen und ich bin auch nicht sicher, ob das gut wäre.

Ich habe in den Niederlanden z.B. Gewächshausbetriebe gesehen, die nur mit Hygiene und Nützlingen arbeiten und ghar nicht spritzen im Gegensatz zu manch einem Bio-Gewächshaus-Betrieb hier.
Oder die ganzen Solawi, die können sich die Zertifizierung meist nicht leisten. Auch die sind entsprechend konventionell.
Von der möglichen Aufbereitung von Düngern, weicherdigen Rohphosphaten mit hohen Schwermetallgehalten und vielen anderen Problemen des Bio-Anbaus mal ganz abgesehen.
Die Aufbauende Landwirtschaft http://aufbauende-landwirtschaft.de/ ist eine schöne Handreichung und Brücke über die Grabenkämpfe hinweg. Finde ich.

Im Gemeinschaftsgarten oder auf kleiner Fläche lassen sich viele Sachen einfacher machen, aber auch, dass muss ich dazu sagen, viele Sachen schnell falsch verstehen oder falsch oder auch unzureichend erstellen. Da muss bei der Kohleproduktion vorsichtig gemacht werden und jedes mal, wenn da gut kompostierbare Abfälle verkohlt werden, bekomme ich Beklemmungen.

"probieren geht über studieren" - dir ist hoffentlich klar, dass damit die Evidenzbasierte Wissenschaft die Logik-basierte disst?

Beste Grüße
Volker
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  1. vor 3 Tagen
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Guten Abend Volker,

ein sehr guter Punkt, den Du ansprichst - ich hatte noch nicht daran gedacht:
Es ist sehr wichtig zwischen der "Hydrothermalen Karbonisierung" (=HTC-Kohle) und einer "Trockenen Karbonisierung/Pyrolyse" (=Pflanzenkohle) zu unterscheiden. Das sind sehr unterschiedliche Verfahren und die Produkte die daraus resultieren und ihre Eigenschaften sind auch sehr verschieden, jetzt verstehe ich schon ein bisschen besser warum Du von Deponie gesprochen hast. HTC-Kohlen sind in den allermeisten Fällen nicht für die bodenbezogene Anwendung geeignet - Pflanzenkohlen (bei Einhaltung der z.B. EBC-Qualitätskriterien) dagegen schon.

Das bläuliche ist wohl der rot-blaue Abendhimmel, der sich darin andeutet - oder es ist der schlechten Qualität meiner Handykamera geschuldet, es ist einfach nur schwarz-braun so ein Pflanzenkohle-Regenwurm-Häufchen.

Es gibt verschiedene Umweltwirkungen die bilanziert werden können, z.B. der Wasserverbrauch, der Flächenverbrauch, das Versäuerungspotenzial, Eutrophierungspotenzial, Treibhausgaspotenzial usw. Je nachdem welche Umweltwirkung bilanziert wird ist dann auch die Aussage dementsprechend einzuordnen, es können auch mehrere Kategorien gleichzeitig bilanziert werden. Das Schweröl von Frachtschiffen, um beim Beispiel zu bleiben, hat neben einem Treibhausgaspotenzial (auf das Du Dich mit CO2 glaube ich beziehst) z.B. auch erhebliches Versäuerungs- und Eutrophierungspotenzial (worauf Du Dich glaube ich mit "giftig" beziehst), das sollte man auf keinen Fall unter den Tisch fallen lassen. Aber die Lagerung von Äpfel ist wieder ein anderes Thema. Ich kann nur sagen, dass die Ausbringung von Pflanzenkohle auch bilanziert werden sollte. Passiert das aber zusammen mit Mist/Gülle, Mulchmaterial oder Kompost, der ohnehin ausgebracht worden wäre, dann fallen diese Umweltwirkungen de facto nicht ins Gewicht. Im Gegenteil können so sogar teilweise Treibhausgas-Emissionen vermieden werden und es kommt bilanziell zu Gutschriften, z.B. bei Wirtschaftsdüngern oder der Herstellung und Ausbringung von Kompost.

Bei der Cradle-to-Cradle CO2-Bilanzierung werden auch die Umweltwirkungen der Entsorgung oder Recyclierung der Produkte bilanziert, von der Wiege der Rohstoffe bis zur Wiege potenziell neuer Produkte und Dienstleistungen. Was jeweils genau bei solch einer Studie getan wurde und welche Aussagen dadurch getroffen werden können (oder eben nicht!) ist wirklich wichtig dazuzusagen. Eine CO2-Bilanz mit Balkendiagrammen an die Wand geworfen ist den Strom für den Projektor nicht wert wenn nicht auch genau dazu gesagt wird unter welchen Annahmen und Randbedingungen diese Ergebnisse zustande gekommen sind.

Ökologische Landwirtschaft ist meiner Meinung nach schon lange keine Nische mehr. Im Gegenteil sollte das der neue Mainstream werden. Ich kenne Ansätze konservierender Bodenbearbeitung, aufbauender Landwirtschaft, regenerativer Landwirtschaft, wie auch immer sie dann Neu-deutsch heißt. Eine Direktsaat in Mulch, bei der darauf gebaut wird im nächsten Frühjahr dann alles Unerwünschte einfach mit Chemie wegzuspritzen ist für mich kein Modell für die Zukunft. Dennoch sind die Ansätze den Boden aufzubauen, zu füttern, möglichst ständig bedeckt und in seiner Schichtung zu lassen, Humus aufzubauen trotz Nutzung und auskömmlicher Ernten etc. natürlich sehr gute, wichtige Ziele, die ich uneingeschränkt teile. Aber das geht hier wirklich zu weit vom Thema weg, da hast Du Recht ...

Ja mit ungeprüften Faustzahlen in Reihe lassen sich schnell empörende Fakten scheinbar belegen - das ist wohl ein Problem unserer Zeit. Also bleibe so kritisch und forschend wie Du bist ! Würde mich freuen wenn Du auf einem Teil der 5.000m² Pflanzenkohle einfach mal gezielt ausprobieren würdest - probieren geht über studieren!

Schönen Abend und sonnige Grüße
Malte
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  1. vor 3 Tagen
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Hallo Malte,

ich sehe, wir werden uns einig.
Zum Bild: Ist die Bläuliche Färbung bei der Kohle üblich? Oder liegt das am Foto?
Zum Hintergrund: Ich habe viel mit HTC-Kohle versuche beim Studium (Produktionsmanagement im Gartenbau) gemacht und da sehr viele Kohle-Fanatiker getroffen.

Die Ausbringungskosten habe ich bisher noch bei keiner CO2-Bilanzierung gesehen. In Ökologischer Rucksack, Wasseräquialent und Ökologischer Fußabdruck enden die Bilanzierungen bei der Fertigstellung des Produkts.
Die Verwendung des Produkts wird nicht bilanziert.
Bei den meisten anderen, die ich kenne wie zum Beispiel die CO2-Bilanzierung von Kühllagerung von Äpfeln kommt der Transport mit giftigem Frachtschiff genausogut weg wie Kühllager, das heißt da werden Umweltkosten vom Transport im großen Stil ignoriert oder nur mit dem freigesetzten CO2 gemessen.

Bei der konservierenden Landwirtschaft gibt es im großflächigen Anbau viele Probleme, die die "Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung" auch thematisiert. Das sind keine Bio-Betriebe, aber die verzichten stark auf Herbizide. Und haben seit mehr als 30 Jahren Praxiserfahrungen. Die kannst du auch über das netzwerk Aubauende Landwirtschaft anschreiben.
Ich finde Lösungen sinnvoll, die nicht nur die Nischen-Produktion "Bio" unterstützen.
Aber das geht hier wahrscheinlich zu weit.

Wo konservierende Bodenbearbeitung wirklich gut funktioniert ist in Gärten und Gemeinschaftsgärten. Denn da ist die Unkraut-Bekämpfung viel einfacher von Hand möglich.

Ich habe gerade eine Kleinfläche in Ostsachsen mit 5000 m² Gemüse für eine zukünftige Solawi in Betreuung. Da geht das auch noch.

Die 0,5 % auf 1 m² Boden: Das war eine Faustzahl vom Studium, die habe ich so übernommen, leider ohne Quelle und beim nachrecherchieren komme ich auf weniger.
Es sind etwa 5,4 t Stroh pro ha https://www.syngenta.de/news/agrar-news/stroh-abfahren-oder-einarbeiten
Das Wären 500 g / m², also etwas 750 ml / m² dazu kommt die Wurzelmasse von etwa 30 % der oberirdischen Masse inkl. aller abgestorbenen Wurzeln war auch eine Faustzahl vom Studium, aber ich finde gerade die Quelle nicht. Das habe ich jetzt ungeprüft übernommen. wären dann etwa 1000 ml / m². Und bei Humus im ersten Jahr ist mit 30 % Verlust durch Verrottung zu rechnen (auch Faustzahl), bei Kompost.
Also eher 0,2 %.
Das war zwar der Schnelle geschuldet, aber da es falsch ist, möchte ich mich hiermit entschuldigen. Das dauert dann entsprechend 4 - 5 Jahre für die 0,5 % ohne die alten Quellen.

Beste Grüße
Volker
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  1. vor 4 Tagen
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Guten Abend Volker,

ich denke unterm Strich geht es uns um die gleiche Sache - gesunde, vitale Böden und Pflanzenbestände, die Freude bereiten.

Die Nutzung von Pflanzenkohle um dieses Ziel zu erreichen stellt für mich (und viele andere) nur einen Teil von einem großen Blumenstrauß an Möglichkeiten dar. Ich denke aber sie kann durchaus einen sehr kraftvollen Teil dazu beitragen.

Es ist wie Du ja bereits schreibst sehr wichtig die Pflanzenkohle vor der bodenbezogenen Anwendung mit Nährstoffen zu beladen. Ein sehr weites C/N-Verhältnis (wie bei Stroh, aber noch mehr bei Pflanzenkohle) bedarf viel verfügbaren Stickstoff für die Zersetzung durch Bodenlebewesen. Insofern geht das wenn nicht weitere Maßnahmen begleitend dabei sind auch auf den Ertrag der Folgekultur. Im Bio-Anbau, also wenn man auf Chemie weitgehend verzichten möchte, ist es nicht ganz trivial ohne wendende Bodenbearbeitung auszukommen. Mindestens bedarf es einem Umdenken, das nicht jede LandwirtIn so einfach mitmacht. "Mulchen!" ist schnell gerufen, aber wie das in der Praxis umzusetzen ist, wenn mensch von der geernteten Kiste Möhren leben muss, da wird es dann schnell ganz leise ... ich habe die letzten Jahre bis dato auf Bio-Höfen gewohnt und die Praxis live erlebt, eine schnelle Lösung für ein Detail schlägt an andere Stelle oft Wellen, die mensch so nicht bedacht hatte.

Die Beladung von Pflanzenkohle kann über eine Kaskadennutzung sehr gut in andere Betriebsabläufe integriert werden, etwa bei der Herstellung von Kompost oder als Zugabe zu Futter und/oder Einstreu in der Tierhaltung. Als Futterbeigabe z.B. mache ich schon seit Jahren sehr gute Erfahrungen und es sind vielerlei positive Wirkungen, die bei solch einer Kaskadennutzung auftreten, bei der Futterbereitung/Silage, Tiergesundheit, Handhabung der Wirtschaftsdünger und schließlich die Wirkung in und auf den Boden und die Bodenlebewesen.

Deinen Berechnungen kann ich nicht ganz folgen, meinst Du durch den Anbau von Weizen und zurücklassen von sämtlichem Stroh auf dem Acker wird der Humus-C Gehalt im 50cm-Oberboden um 0,5% gesteigert? Wenn dem so ist würde ich darüber gerne mehr
erfahren, hast Du das selbst mal ausprobiert?

Bei der seriösen CO2-Bilanzierung solcher Systeme werden die relevanten Umweltwirkungen vollständig miteinbezogen, entweder aus realen (Mess-)Werten oder durch Schätzung einer plausiblen Größenordnung und mit Betrachtung einer Spanne um für diesen Faktor die Relevanz für die Gesamtaussagen beurteilen zu können. Also dies in die Betrachtung miteinzubeziehen "würde niemand tun" ist mir an der Stelle zu pauschal ...

Mais ist eine C4-Pflanze, das stimmt, aber Du meintest sicher CAM-Pflanzen wie z.B. die Ananas, oder?
Wie jede andere C3- oder C4-Pflanze atmet Mais bei Dunkelheit (wie wir Menschen auch) Sauerstoff (O2) ein und scheidet Kohlendioxid (CO2) wieder aus.
Also der erfrischende Effekt wenn Du nachts durchs Maisfeld läufst ist zwar wahrscheinlich real, er stammt aber nicht von einem "Sauerstoffzelt-Effekt"

Schließlich schicke ich Dir ein selbst gemachtes Bild von einem Beet, auf dem ich mit Pflanzenkohle bearbeitet habe.
Der Regenwurm wird bei sog. Vermeidungstests eingesetzt um die Wirkung von Stoffen auf die Bodenlebewesen zu testen, wenn es ihm nicht passt kriecht er davon.
In diesem Fall hat der die Pflanzenkohle sogar aufgenommen, verdaut und mit Nährstoffen und Botenstoffen angereichert als Häufchen wieder abgesetzt, dieses Häufchen ist jetzt reinstes Bodengold! Für mich bestätigen solche selbst gemachten Erfahrungen immer wieder, dass Pflanzenkohle ein Teil der Lösung sein kann und sollte.

Soweit für heute,
gärtnerische Grüße
Malte
Regenwurmlosung_MKr.jpg (86KB)
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  1. vor 4 Tagen
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Hallo Mate,

danke für deine ausgührliche Antwort. Dazu hätte ich einige, immer noch kritische Anmerkungen:

0,5 % Kohlenstoff auf 50 cm Boden erreiche ich, indem ich Weizen anbaue, das Stroh liegen lasse und nicht pflüge. Die Wurzeln des Weizen suchen sich ihren Weg in den Boden, sterben ab und verrotten und bilden so Humus. Das Stroh schützt den Boden vor Erosion, verrottet teilweise, wird teilweise zu Kompost und dann vom Bodenleben eingeartbeitet.
Das kostet mich keine zusätzliche Mühe.
Wenn ich auf Umgraben oder Pflügen verzichte, dann spare ich auch noch Energie gegenüber normaler/bio Landwirtschaft. Dem Bodenleben hilft das auch und mehr Dauerhumus wird gebildet, denn wenn ich den Boden aufreiße, fördere ich Zersetzer und die Bilden kaum Dauerhumus.

Wenn ich das technisch machen wollte, müsste ich 2,5 Liter Kohle (50 cm Boden sind 500 Liter / m²) pro m² herstellen und ausbringen. Ein kleiner Landwirtschaftsbetrieb mit 100 Hektar (ha = 10.000 m²) hat 1.000.000 m² => bei 2,5 l / m² sind das 2.500.000 Liter oder 2500 m³ Kohle. Für 0,5 %. Auf einen Hänger passen 10 m³, also müsste ich 250 Hänger Kohle aufs Feld fahren. Die liegt dann oben und wird nicht viel eingearbeitet, weil das Bodenleben ja Nahrung in den Boden zieht.
Wenn die Kohle auch noch in den Boden soll, damit sie nicht verweht wird und die Pflanzen / Bearbeitung nicht stört, müsste sie eingepflügt werden. Dabei wird nicht nur Diesel verbraucht, sondern auch das Bodenleben gestört und viel Humus verrottet, das müsste ich dann von der Kohle-CO2-Einlagerung abziehen (passiert auch im Garten).
Das heißt theoretisch müsst dies einbezogen werden, und dann entsprechend mehr Kohle eingebracht werden.

Und all der aufwand müsste auf die Kohle oben drauf gerechnet werden.
Wäre es da nicht besser die Kohle in einem alten Tagebau zu deponieren als großflächig im Boden?

Dann sind da die Pflanzenbaulichen Ressourcen-Bedenken:
Beim Kohle herstellen verschwinden Schwefel und Stickstoff als ihre Oxide an die Luft. Stickstoff ist nicht das Problem, den können wir mit Haber-Bosch-Verfahren oder über Leguminosen zurüch aus der Lauft binden.
Schwefel kann nur durch Bergwerke gewonnen werden.
Das heißt wenn ich Biomasse verkohle anstatt zu verrotten muss ich dort den nötigen Bergbau gegenrechnen (aber das tut niemand) und normalerweise auch die Stickstoff-Energie, denn selbst wenn Pflanzen mit Knöllchenbakterien den Stickstoff binden, schmälert es meinen Ertrag um diese Energie.

Dann gibt es die Pflanzenbaulichen Nährstoff-Bindungsbedenken
Laut dem Itaka-Institut aus der Schweiz, mit dem ich bei meinem letzten Essbare-Stadt-Projekte zusammengearbeitet habe, hat die Kohle einen Nachteil - sie bindet alle Nährstoffe aus dem Boden bis sie voll aufgeladen ist. Auf Schwermetallastigen Böden ist das von Vorteil, auf pflanzenbaulichen von Nachteil und kann 2 Jahre Wuchsdepression bedeuten, wenn die Kohle nicht voher gesättigt wird. Die Nährstoffe dafür sind aber dann meist verloren und nur ein kleiner teil der Erst-"Aufladung" wird jemals pflanzenverfügbar.

Dann gibt es die Bodenleben-Bedenken:
Das Bodenleben lebt davon Pflanzenmasse zu zersetzen. Wenn ich den Kohlenstoff in Form von Kohle einbringe, an statt in der Form von abgestorbener Pflanzenmasse, dann wird das Bodenleben auf Diät gesetzt.
Wenn ich nicht die im Betrieb anfallende Pflanzenmasse verwende, dann muss die Kohle irgendwo anders her kommen und dort das bodenleben aushungern. Für einen Lebendigen Boden mit lebendigem bodenleben, muss dieses gefüttert werden. Wenn das nicht geschieht, stirbt es und setzt beim zersetzt werden CO2 frei bis es weg ist. Danach sinkt der Pflanzenwuchs und neues Bodenleben aufzubauen kann mehr als 10 Jahre dauern.

Und zu guter Letzt noch die Pflanzen-Wuchs-Bedenken:
CO2 wird vom Bodenleben nicht an die Atmosphäre abgegeben, sondern an den Pflanzenbestand über dem Boden. Wen nder boden bewachsen ist, werden die Pflanzen das CO2 aus dem Boden vollständig aufnehmen. Das CO2 in der Luft ist mit 400 ppm weit zu gering konzentriert und die Pflanzen hätten gern 800 - 1200 ppm.
Im Gewächshaus mache ich CO2-Düngung, das heißt, ich verbrenne im Sommer Erdgas, um CO2 zu bekommen, um meinen Pflanzenwuchs um bis zu 30 % zu steigern.
Im Freiland passiert das im geschlossenen Bestand durch die Verrottung von Humus.
Das heißt nicht nur das Bodenleben bekommt Nahrung durch Zersetzung, sondern auch das CO2 steigt nur in den Pflanzenbestand auf, wird dort aber schnell wieder verbraucht.

CO2-Verluste durch Verrottung?
Wer mal energetisch belebt werden möchte, sollte nachts bei Windstille eine Maisfeld besuchen (Mais bindet als C4-Pflanze nachts CO2), dort ist praktisch kein CO2 in der Luft. Tagsüber durch das Weizenfeld kriechen geht auch, aber da muss ich mich bücken, denn der Pflanzenbestand ist so viel niedriger.
Das bedeutet die CO2-Freisetzung aus Humus ist nur ein rechnerischer Faktor, denn bei einem vernünftigen Pflanzenbestand wird das CO2 sofort wieder gebunden. Nur bei Brachen geht es an die Luft verloren.
Wenn die Pflanzen klein sind, im Frühjahr wird kaum CO2 frei gesetzt, da das Bodenleben wechselwarm ist und sich nach der bodentemperatur richtet. Wenn die Pflanzen größer sind und der Boden wärmer wird, wird es dan neinfach aufgefangen.

Aus diesen ganzen Gründen sehe ich es nicht als sinnvoll Biomasse im Garten oder der Landwirtschaft zu verkohlen und einzugraben.

Besser wäre es die Braunkohle im Boden zu lassen oder mehr Humus durch konservierende Bodenbearbeitung (gibt gute Ansätze mit wenig bis keinen Herbiziden von der "Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung" (sind konventionelle Praxisbetriebe)) zu behalten.
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  1. vor 1 Woche
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Hallo Volker,
vielen Dank für Deinen kritischen Beitrag.
Du hast Recht, dass bei einer stichhaltigen CO2-Bilanzierung alle in Zusammenhang stehenden Emissionen berücksichtigt werden müssen. Deshalb auch mein Hinweis auf das EBC-Zertifikat, das nicht nur die Qualitätssicherung der Pflanzenkohle beschreibt, sondern eben auch die Kriterien für die Anrechnung einer echten C-Senke. Selbstverständlich werden dafür der Aufwand zur Herstellung mit bilanziert, ebenso wie Betriebsmittel bei der Biomassebereitstellung (Dünger, Maschinen, etc.).

Fälschlicherweise wird oft davon ausgegangen, dass bei der Herstellung von Komposten keine Verluste durch Emissionen auftreten, leider sind diese aber je nach Herstellungsverfahren zum Teil erheblich (Kohlenstoffverlust durch CO2, Stickstoff als Lachgas, Methan-Emissionen, ...). Pflanzenkohle kann helfen diese Emissionen bei der Kompostierung zu reduzieren.

Ich bin großer Fan von Humusaufbau! Im Zusammenspiel mit Pflanzenkohle geht das auch sehr gut und im Gegensatz zum "Dauerhumus", der sich recht langsam aufbaut und dessen Langlebigkeit sehr von der Art der Bodenbewirtschaftung abhängt, also schnell auch wieder verschwinden kann, ist der pyrogene Kohlenstoff über 100 Jahre größtenteils stabil (~ 80% bleibt erhalten). Pflanzenkohle ist zudem ein sehr natürliches Material, nach einem Waldbrand z.B. ist dieses ja auch vorhanden, nur dass die entstehende Wärme nicht zielgerichtet genutzt wurde ...


Je nach Ausgangsmaterial sind die Produkte und Eigenschaften von Pflanzenkohle teils sehr verschieden - und natürlich ist es bei der bodenbezogenen Anwendung von Pflanzenkohle sehr wichtig (und Voraussetzung) ein für Mensch und Umwelt langfristig sicheres Produkt zu haben. Das kann mensch heutzutage analytisch sehr gut feststellen, bei den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) z.B. sind die Kriterien sogar strenger als bei anderen Substraten und "Bodenhilfsstoffen". Das heißt von einer Deponie-Funktion des Bodens sind wir im Falle von EBC-Pflanzenkohle weit entfernt, viel mehr wird ein hochwertiger Bodenhilfsstoff zur langfristigen Verbesserung der Bodenfunktionen eingebracht.

Hier noch der Hinweis auf eine Veranstaltung, verbunden mit der herzlichen Einladung sich dort beim kritischen Austausch zum Thema einzubringen: https://www.dbu.de/550artikel39185_2440.html

Liebe Grüße
Malte
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  1. vor 1 Woche
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Natürlich klappt das, aber auch Humus bindet CO2 ohne dass ich bei der Herstellung Schwefel und Stickstoff an die Luft verliere und viel technischen Aufwand betreiben muss. Eine gute Bodenbewirtschaftung bringt viel Humus in den Boden und erhält einen hohen Gehalt an Dauerhumus und speichert auf natürliche Art CO2 ohne separaten Aufwand.

Denn der Mehraufwand beim Kohleherstellen für Werkzeug, Geräte, Transport usw. wird selten dem Einlagern des CO2 gegen gerechnet.

Auch bin ich persönlich der meinung, dass Böden nicht als Deponie genutzt werden sollten, sondern zum Anbau von Pflanzen. Wer Probleme mit dem Halten von Humus hat z.B. auf Tagebau-Renaturierungsböden oder Podsolen, der kann gern Kohle als Übergangslösung nehmen, aber wenn der Boden nur noch Aufbewahrungsanstalt für Kohle ist (mit alle deren Nachteilen), dann läuft was falsch.

Besser ist es durch gute, konservierende Bewirtschaftung auf natürliche Weise Humus und somit CO2 anzureichern.
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  1. vor 1 Woche
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Hallo zusammen,
ja das ist in der Tat ein spannendes Thema!
Pflanzenkohle ist wie gesagt sicher nicht der alleinige Heilsbringer, kann aber im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen (und vor allem auch Verhaltensänderungen im Tun und Wirtschaften) einen erheblichen Teil zur Senkung des CO2-Gehalts der Atmosphäre beitragen. Hier ist ein Aufsatz vom europäischen Industrieverband (EBI) zur kritischen Auseinandersetzung damit. Auch die noch in Arbeit befindlichen Kriterien, die laut "European Biochar Certificate" (EBC) erfüllt sein müssen um beim Einsatz von Pflanzenkohle wirklich von einer CO2-Senke sprechen zu können sind wie ich finde schon jetzt sehr lesenswert.
Liebe Grüße
Malte

Zum Whitepaper des EBI: https://www.biochar-industry.com/why/
Zu den C-sink Kriterien des EBC: https://www.european-biochar.org/de/ct/139-Richtlinien-zur-C-Senken-Zertifizierung
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  1. vor 1 Woche
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  1. vor 1 Woche
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... es kommt darauf an ;-)

Dieser (wie ich finde) ganz gute Artikel aus dem Jahr 2019 trägt den Titel:
Supererde bindet CO2 - Ein altes Verfahren aus dem Amazonas elektrisiert die Klimaschützer

https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/supererde-bindet-co2-ein-altes-verfahren-aus-dem-amazonas-elektrisiert-die-klimaschuetzer/25000952.html

Also ja, prinzipiell geht das. In organischem Material, also Holz oder jedes andere Pflanzenmaterial, bildet Kohlenstoff ein Hauptelement oder Baustein; den Kohlenstoff nehmen Pflanzen beim Wachstum über Photosynthese auf. Bei der Pyrolyse, also einer Hitzebehandlung mit gleichzeitig sehr wenig Sauerstoff in der Umgebung, wird das Pflanzenmaterial so verändert, dass Elemente wie Sauerstoff, Wasserstoff, Schwefel, Stickstoff und andere Elemente aus dem Material "ausgasen", so dass prozentual gesehen, vor allem Kohlenstoff übrig bleibt (C-Gehalt in Pflanzenkohle kann 70-90 % der Trockenmasse ausmachen; in "rohem" Pflanzenmaterial 30-50%). Der Kohlenstoff wiederum ist dann in einer Form, in der er ziemlich stabil ist, also nicht so schnell zersetzt wird, also nicht wieder in die Atmosphäre zurückgeht. Das heißt, der Weg geht nun umgekehrt als zum Beispiel bei der Braunkohle, da holen wir Kohle (mit ihrem Kohlenstoff) aus der Erde, verbrennen sie, und der Kohlenstoff geht als CO2-Klimagas in die Luft; bei Pflanzenkohle ist die Idee: CO2 wird von Pflanze aufgenommen, C in Pflanze stabilisiert in dem Pflanze zu Pflanzenkohle wird und die Pflanzenkohle dann wieder in den Boden gebracht wird.

Als großes Vorbild für diesen Ansatz gilt eben die Terra Preta Böden, die Menschen im Amazonas Gebiet vor Hunderten Jahren entstehen lassen haben. Sie sind das Produkt eines sehr ganzheitlichen "Abfall"-Managements.

Ob die Kohle, und damit der Kohlenstoff, dann im Boden auch wirklich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte stabil bleibt, hängt auch vom Boden ab. Außerdem wirkt die Kohle im Boden kalkend. Das heißt, es kann nicht einfach auf jeden Boden beliebig viel Kohle aufgebracht werden. Sonst besteht die Gefahr, dass der pH-Wert des Bodens zu hoch wird und dann keine Pflanzen mehr wachsen. Und dann ist es auch so, dass dieser Ansatz keine "Wunderlösung" gegen den Klimawandel ist. Es kann nur Hand-in-Hand damit funktionieren, dass wir auch aufhören, Braun- oder Steinkohle aus dem Boden zu holen und zu verbrennen. Ich habe mal ausgerechnet, welche Fläche es braucht um Holz anzubauen um daraus Pflanzenkohle zu machen um damit die CO2-Emissionen nur eines Kohlekraftwerks auszugleichen. Ich weiß die genaue Zahl nicht mehr, aber es war fast ein komplettes Bundesland wie Sachsen.
Kohle sollte meiner Meinung nach aus Rest-Biomasse hergestellt werden; es ist wichtig auch auf das Verfahren zu achten, dass sich an der Kohle nicht auch Schadstoffe (wie polyaromatische Kohlenwasserstoffe bilden), und die Abwärme bei der Herstellung dewr Kohle sollte auch genutzt werden.

Mehr zu Pflanzenkohle, Terra Preta und so, findet ihr zum Beispiel auch in diesem Praxisblatt: https://anstiftung.de/images/Bauanleitung_Praxisblatt_Kontiki.pdf

Und sicher haben noch andere Menschen hier andere Ideen und Gedanken - teilt sie gerne!
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