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Erfahrungen mit Pflanzgefäßen mit Docht
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Hallo zusammen,
es gibt ja allerhand Beschreibungen von Pflanzgefäßen und Hochbeeten mit Docht.

Das Grundprinzip, wenn ich das richtig verstanden habe, ist, dass man es so einrichtet, dass das Substrat per Kapillartransport Wasser aus einem Reservoir geliefert bekommt und dieses Wasserreservoir aber möglichst nicht direkt für die Wurzeln erreichbar ist, so dass die Pflanzen keine Staunässe wahrnehmen. Manche Konstrukteure legen noch Wert darauf, dass von unten nicht nur Wasser, sondern auch Luft die Wurzeln erreichen kann.

Ich unterscheide hier mal zwischen Konstruktionen, bei denen der Docht aus einem Textil besteht und solchen, wo der"Docht" aus dem Substrat selbst besteht, d.h. es gibt irgendwo eine "Säule aus Erde", die bis in den Wasserkörper tief im Behälter hinabreicht.

Beispiele mit textilem Docht:

- als Hochbeet mit eingebautem Reservoir, "ein Vlies" als Docht: https://www.peter-lenne-schule.de/berufsfelder/gartenbau/urban-gardening.html
- Gefäße, mit altem Baumwoll T-Shirt als Docht: https://www.youtube.com/watch?v=byBeDfKb02Q
- Stapeleimerkultur, mit einem Streifen "Textilgewebe aus Synthetikfasern" als Docht, gesehen in "Urban Gardening" von Yohan Huber, Ulmer Verlag

Es gibt hier Konstrukteure, die benutzen den Docht nur vom Reservoir bis zum Boden des Substrats (z.B. die ersten beiden). Andere ziehen den Docht vertikal durch das Substrat (z.B. das dritte Beispiel).

Ob so eine Konstruktion funktioniert, hängt in meinem Verständnis davon ab, ob

1. der Docht in der Lage ist, das Wasser über die maximale Höhendifferenz zu transportieren, z.B. vom Wasserspiegel des fast leeren Reservoirs bis zum Substrat
2. das Substrat ebenfalls guten Kapillartransport für die weitere Verteilung zeigt

Meine Frage:

Hat jemand hier ähnliche Behältnisse mit textilem Docht in Verwendung?
Wenn ja: Was genau ist das Gewebe, und wie groß ist die maximale Höhendifferenz?

Eure Erfahrungen würden mich interessieren.
schöne Grüße
Stefan
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  1. vor 1 Woche
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Für das Material sollte es Wasserleitendes sein. sättige eines, leges es danach in einen Wassereimer, der halb voll ist und hänge das Ende über den Rand und schau ob und wie viel Wasser heraus tropft.
Achtung: Wenn der Strick austrocknet, funktioniert er nicht mehr.


Nicht jedes Gewebe ist ein Docht.

PS: Baumwollhandtücher funktionieren oft gut. Und Speichervlies (>600 g / m²) oder Uferschutzmatten.

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  1. vor 1 Woche
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Hallo Stefan,

es gibt noch ein oder zwei Firmen, die machen Glasfaserdochter für Gartenbauanwendungen.

Die kannst du dir suchen, wenn du keine Textilen Dochte willst.

VG
Volker
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  1. vor 1 Woche
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Kann ich als Docht auch einfach ein Stück Seil nehmen, z.B. aus Hanf oder Jute?
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  1. vor 1 Woche
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Hallo Volker,
vielen lieben Dank für deinen Kommentar und die Details.

Das heißt, verwendet deine Bekannte solche Glasfaserdochte wie von Spiritusbrennern und Öllampen?

Ich habe 25 Milcheimer aus PP geschenkt bekommen, und möchte sie für einen Versuch von "Stapeleimerkultur" verwenden. Ein Eimer A mit Deckel dient als Wasserreservoir. Darauf stellt man einen zweiten Eimer B, in den man pflanzt. Durch ein zentrales Loch im Deckel von A und Boden von B zieht man einen textilen Docht. Den Docht würde ich vertikal bis zur Substratoberfläche mit eingraben.
Durch ein weiteres Loch im Deckel von A und Boden von B führt man einen Schlauch/ein Rohrstück, durch das man das Reservoir auffüllen kann.

Da Polypropylen unter UV-Strahlung zerfällt, muss man das Eimerpaar davor schützen - ich dachte ich versuchs mit Schilfmatte, das sieht vllt hübsch aus und ist nicht zu teuer.

Die Frage ist deshalb, was ich überhaupt als Docht nehmen könnte, damit der Docht das Reservoir auch bis zum Schluss nutzen könnte. Aus dem Buch von Hubert wird das leider nicht klar, obwohl das der schwierige Punkt ist. Hätte ich die Wahl, würde ich persönlich lieber einen organischen Docht austauschen als Synthetikfaser-Mikroplastik zu verteilen.

Die vom Docht zu überbrückende Höhe wäre demnach eine (ca. 30 cm) bis zwei Eimerhöhen.

viele Grüße
Stefan
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  1. vor 1 Woche
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Hallo Stefan,

es gibt noch Glasfaserdochte - eine Bekannte versorgt damit ihre Balkonkästen. Aber da sind nur 15 - 30 cm Höhendifferenz (je nach Dochtstärke variierend) drin.

Der Kapillareffekt im Boden wird von allen Pflanzen genutzt, um Wasser aus tieferen Schichten zu bekommen.
Der ist aber abhängig von Bodenart: Bei Ton sehr stark aber viel Totwasser (Pflanzen bekommen das Wasser nicht aus dem Boden, da es zu fest kapillar gebunden ist), Schluff am besten, dann Humus, dann Lehm, Sand am schlechtesten. Bei Substraten je torfähnlicher / schluffigerdesto besser.
Für den Kapillareffekt muss der Boden gut gewässert werden, damit sich die Kapillaren bilden, wenn das Wasser einsickert.

Achtung der Kapillareffekt ist auch der Grund, warum die Sonne den Boden tief austrocknet (durch Kapillare Förderung nach oben) und Mulch das Wasser im Boden hält (durch Unterbrechung des Kapillareffektes durch Auflageschicht).

Hacken der oberen Erdkruste ist nicht primär zu Unkrautbekämpfung (Unkraut = unerwünschtes Kraut), sondern um die Kapillaren abzutrennen und somit Wasser im Boden zu halten. Da sich die Kapillaren bei jedem Regen neu bilden, muss entsprechend nach jedem Regen gehackt werden. Hacken = mit Boden mulchen.

In Schluffböden kann der Kapillareffekt mehrere Meter betragen, in Substraten und Erden oft mehr als 1 m, in Dochten und Geweben selten mehr als 30 cm Höhendifferenz. Es kann mehr sein, aber ich würde es nicht garantieren.

Ich habe gesehen wie ein Speichervlies (800 g/m²) einen Teich "leergesaugt" und aus 1,2 m tiefe Wasser nach oben geliefert hat.

Es gibt bei geschlossenen Gefäßen und urchfeuchteter Erde noch Verdunstung und Kondensation - das wird oft in Balkonkästen genutzt, aber auch in größeren Gefäßen:
Im Gefäß ist unten eine Steinschicht mit Wasser drin, es gibt aber keinen Kontakt zur Erdschicht darüber. Wenn die Erde trockener wird, nimmt sie Luftfeuchte auf, die dort kondensiert. Damit fällt die Luftfeuchte über dem Wasser und das Wasser kann leichter verdunsten und liefert Luftfeuchte nach.
So bleibt die Erde länger feucht.
Später reichen dann auch Pflanzenwurzeln ins Substrat.

Was willst du eigentlich machen?

VG
Volker
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