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Gartentherapie
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über den Artikel "warum Pflanzen glücklich machen" (-> https://urbane-gaerten.de/community/gruppen/36-medientipps/28-discussions/eintrag/342-artikel-warum-pflanzen-gluecklich-machen-spektrum-der-wissenschaft )
bin ich auf die Gartentherapie gestossen.

DerInterkulturelle Heilgarten Berlin-Moabit nützt das https://urbane-gaerten.de/5-urbane-gaerten/berlin/94-interkultureller-heilgarten-berlin-moabit
hier mehr dazu: https://www.ueberleben.org/unsere-arbeit/schwerpunkte/gartentherapie/

Die Donauuni Krems (Österreich) bietet einen Lehrgang dazu an: https://www.donau-uni.ac.at/de/studium/gartentherapie/index.php

Die "Gesellschaft für Gartenbau und Therapie" https://www.ggut.org/ schreibt:

Gärtnern ist ein flexibles Medium, mit dem man vieles erreichen kann. Z.B. kann man nach einer Erkrankung oder einem Unfall wieder genesen und Kräfte sammeln, indem man sich im Garten betätigt. Es bietet vielfältige und sinnvolle Abwechslung, die Menschen hilft, in einer schwierigen Zeit mit dem Leben zurecht zu kommen. Konzentration und Schreibfähigkeit können unterstützt werden, z.B. durch so einfache Tätigkeiten wie das Beschriften von Pflanzschildern oder das Lesen gärtnerischer Anleitungen. Manche Menschen mit Einschränkungen möchten den Garten und das Gärtnern einfach nur genießen, benötigen jedoch praktischen Rat und Kenntnisse, um anzufangen oder weiter zu kommen.

Hat wer von Euch damit Erfahrungen?

Was können andere Gemeinschaftsgärten davon anwenden?


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  1. vor 10 Monaten
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Wieder ein Artikel übers Gärtnern, mit einem längeren Zitat, warum es gut tut:

Direkter Draht ins Gehirn
Neben der psychischen Wirkung hat die Gartenarbeit übrigens auch einen handfesten körperlichen Effekt. Die aktive Bewegung stärkt das Herz-Kreislauf-System, die Herzfrequenz sinkt, der Puls wird ruhiger, der Blutdruck ausgeglichener. Die verschiedenen, sich wiederholenden Bewegungsmuster stärken den gesamten Bewegungsapparat, das Atemvolumen steigert sich um bis zu 50 Prozent, und der Stoffwechsel gleicht sich aus. Für Letzteres dürften unter anderem die ätherischen Öle verantwortlich sein, die sich in Pflanzen befinden. "Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die produziert werden, um Insekten anzulocken, Feinde zu vertreiben, untereinander zu kommunizieren und mehr", erklärt die Agrarwissenschafterin und Kräuterpädagogin Valerie Jarolim. Sie betreibt den Blog Blatt und Dorn, wo sie Wissenswertes über Kräuter erzählt."

Diese Öle gehen über die Riechschleimhaut direkt in das limbische System, einen der ältesten Teile unseres Gehirns. Dort werden dann neurochemische Stoffe wie zum Beispiel Enkephaline, Endorphine, Serotonin oder Noradrenalin freigesetzt. Diese Botenstoffe interagieren unter anderem mit dem Immunsystem." Diese Wechselwirkung dürfte dafür sorgen, dass das parasympathische Nervensystem, das für Entspannung zuständig ist, aktiviert wird. So werden körpereigene Erholungsmechanismen in Gang gesetzt, die etwa für besseren Schlaf sorgen – ein Effekt, den die meisten Gärtner kenne und den Jarolim treffend beschreibt: "Nach einem Tag Arbeit im Grünen verspürt man eine körperliche Müdigkeit, die man von Computerarbeit nicht kennt. Und die lässt einen so richtig gut schlafen."

Der Klang der Natur
Wer jetzt auf der Stelle einen eigenen Garten anlegen möchte, kann sich entspannen. Es ist nicht unbedingt nötig, selbst eine riesige Fläche zu beackern, um davon zu profitieren. Zum Einstieg reicht sogar eine gezielte Beschäftigung mit der Natur. Etwa wenn man barfuß durchs Gras läuft, dessen Kühle spürt oder die Härte der Kieselsteine auf dem Weg wahrnimmt. Auch das Angreifen von Pflanzen, das Reiben eines Blatts oder Krauts und das Wahrnehmen des Geruchs, den es verströmt, sind sinnliche Erlebnisse, die einen direkt in den Moment holen.

Ein ebenso wichtiges Erlebnis ist das bewusste Hören von Naturgeräuschen, besonders von Vogelgezwitscher, und zwar möglichst ohne menschengemachte Geräusche. Eine aktuelle Multistudienanalyse von Forschern der Carleton University, der Colorado State University und der Michigan State University, die die Auswirkungen von natürlichen Klanglandschaften in US-Nationalparks auf die Gesundheit untersuchten, zeigt, dass diese Geräusche Schmerzen und Stress verringern, kognitive Funktionen und die Stimmung verbessern. Und wer gerade keinen Nationalpark in greifbarer Nähe hat, legt sich zumindest Zimmerpflanzen zu. Denn auch deren Anblick hilft schon, die Konzentration zu stärken.

aus: https://www.derstandard.at/story/2000128168888/das-schoene-graben-in-der-erde
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  1. vor 1 Jahr
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Ein Artikel über die heilende Wirkung des gemeinschaftlichen Gärtnerns:

Warum Ärzt:innen in England Gemeinschaftsgärten statt Tabletten verschreiben

Zitat:
dass einigen Patient:innen in Großbritannien zunehmend Zeit in der Natur und in gemeinschaftlichen Gartenbauprojekten verordnet wird. Dies ist Teil der „grünen Rezepte“ des britischen staatlichen Gesundheitssystem NHS. Auf den Shetlandinseln zum Beispiel können Inselbewohner:innen mit Depressionen und Angstzuständen „Naturrezepte“ erhalten.

Zitat:
Im Gegensatz zum Anbau in privaten Gärten erfordert der Gemeinschaftsgarten Zusammenarbeit und kollektive Planung. Wenn man in der Gruppe auf gemeinsame Ziele hinarbeitet, kann ein echtes Gemeinschaftsgefühl entstehen. Und im Garten kann sich ein Gefühl der Verbundenheit entwickeln, nicht nur mit anderen Menschen, sondern mit der gesamten Umwelt.

Zitat:
Die Forschung zeigt, dass gemeinschaftliche Gartenarbeit das Wohlbefinden der Menschen direkt verbessern kann. Menschen, die an diesen Programmen teilnehmen, werden außerdem ermutigt, sich insgesamt gesünder zu verhalten. So können Nachbarschaftsprojekte meistens zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden – was die Teilnehmer:innen dazu veranlasst, aktivere Transportmöglichkeiten zu nutzen. Der Verzehr von Produkten aus einem Gemeinschaftsgarten kann den Menschen auch dabei helfen, die Gewohnheit zu entwickeln, mehr frische und regionale Lebensmittel zu essen.


https://krautreporter.de/3396-warum-arzt-innen-in-england-gemeinschaftsgarten-statt-tabletten-verschreiben?shared=685f8606-0edc-4e33-8325-c08068dbc8c2
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  1. vor 1 Jahr
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Pflanzen sind gut für unsere Psyche.

aus einer Studie über Straßenbäume:

"Unsere Studie zeigt aber, dass die alltägliche Natur in der Nähe des Hauses, die Artenvielfalt, die man beim Blick aus dem Fenster sieht oder wenn man zu Fuß oder mit dem Auto zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen geht, genauso wichtig für die psychische Gesundheit ist."

"Unser Ergebnis deutet darauf hin, dass Straßenbäume dazu beitragen können, die Lücke der gesundheitlichen Ungleichheit zu schließen"

aus https://www.leipzig.de/news/news/strassenbaeume-als-mittel-gegen-depressionen/

>> Frühere Studien deuten aber auch darauf hin, dass Pflanzen durch den bloßen Anblick der Psyche guttun.<<

aus einem GEO-Artikel über oben erwähnte Studie: https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/23872-rtkl-studie-mehr-baeume-weniger-depressionen-wie-sich-pflanzen-auf-unsere
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  1. vor 1 Jahr
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Hallo Werner,

um auf deine Fragen zu antworten, prinzipiell ist die von dir herausgelesenen Essenz eine gute Basis zum Arbeiten.
Ich möchte ungern Regeln festlegen, da es m.E. wichtig ist, dass sich die Gartentherapie an den Bedürfnissen der Klient*innen orientiert. Richtig und wichtig sind feste Zeiten, z.B. der Beginn der Tätigkeiten, des Treffens vor Ort, Pausenzeiten, Arbeitsende. Auch hier ist es wichtig zu beachten, dass bestimmte Klientel eingeschränkt sind und daher die Therapieeinheiten (TE) so gestaltet werden, dass die Anforderungen physisch und psychisch erfüllbar sind.

So arbeite ich mit den Seniorinnen und Senioren max. eine dreiviertel Stunde. Danach lassen Kraft und Konzentration nach.
Sinnesarbeit z.B. macht in kleinen Gruppen Sinn, da es auch um Austausch geht und es sollte ausreichend Zeit zum Nachdenken und Antworten zur Verfügung stehen. Da gilt für alle Altersgruppen.

Die Aufgaben innerhalb einer TE sollen übersichtlich dargestellt und verständlich dargestellt werden.
Verantwortlichkeiten einzelner Teilnehmer*innen müssen festgelegt werden, was hilfreich ist, um Wertschätzung und Nutzen der eigenen Persönlichkeit zu erfahren, Stolz auf das Geleistete zu sein. Das können regelmäßige Gießdienste, ausgeizen und anleiten von Tomatenpflanzen, Beetpatenschaften etc. sein.

Ich führe abschließend noch einmal meine Vorschläge stichpunktartig aus.

- genau definierte Zeiten und Zeitabläufe
- zeitlichen Umfang von TE beachten
- inhaltlichen Umfang von TE beachten nach der Methode "Weniger ist mehr."
- Krankheitsbilder und Einschränkungen beachten
- festlegen von Verantwortlichkeiten
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  1. vor 1 Jahr
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Danke Gero für Deinen Erfahrungsbericht.

Gibt es ein paar einfache Regeln, die Du den Gärtner:innen mitgeben kannst?

herausgelesen habe ich:

+ zeitlich geregelte Angebote (fürs Wiederfinden eines geordneten Tagesablaufes)
+ körperliche und geistige Abläufe bewusst machen und unterstützen (erinnert mich an Feldenkrais)
+ Beobachtung von Insekten, Vögeln und anderen Tieren ermöglichen und unterstützen
+ Räume für Gespräche schaffen
+ Angebote für Kinder und Kleinkinder: was wächst da? wie wächst es? tut es mir gut?

Kommt das so hin? Du kannst das sicher konkreter beschreiben und ergänzen.

:-)
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  1. vor 1 Jahr
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Ich bin Gero und arbeite als ausgebildeter Gartentherapeut in einer Einrichtung Pflege und Wohnen. Wir haben einen Garten am Haus, welcher als Therapiegarten und Nachbarschaftsgarten genutzt wird. Ich greife das Thema Gartentherapie deshalb auf, da Gartentherapie vielseitig und für verschiedene Altersgruppen und Herkunft angewendet werden kann. Gartentherapie kann u.a. dafür sorgen, dass Menschen wieder zu einem geordneten Tagesablauf finden, dass sie Halt finden in einer sinnvollen und vielleicht ihnen bekannten Tätigkeit, sie hilft generell für Wohlbefinden, Sinn und Gemeinschaft zu sorgen. Bei körperlichen und geistigen Einschränkungen hilft Gartentherapie für den Erhalt körperlicher und geistiger Abläufe zu sorgen oder die Abläufe zeitlich zu verlangsamen.
Die Ausbildung zum Gartentherapeuten dauert im Durchschnitt ein Jahr und wird auch in Deutschland angeboten. Näheres findet ihr unter https://www.iggt.eu/weiterbildung/ausbildung-zum-gartentherapeuten.html.
Aus meine praktischen Arbeit kann ich berichten, dass sich die Seniorinnen und Senioren gern mit dem Gärtnern beschäftigen, sie lieben es, wenn wir gemeinsam Insekten oder Vögel beobachten und sie sind glücklich und stolz darauf, wenn sie ihre eigenen Grünpflanzen pflegen können. Sehr oft berichten dann auch die "Alten" ohne Aufforderung, aus ihrem eigenen Erleben in früheren Jahren. Gartentherapie als Erinnerungsarbeit.
Aber auch für die Kleinen und Jüngeren macht Gartentherapie Sinn. Sie sensibilisiert, zeigt auf wo unsere Nahrung herkommt, welche Zusammenhänge in eine bewusstem Umgang mit der Umwelt, Fauna und Flora bestehen. Hier werden erste Erfahrungen gemacht, was es heißt Verantwortung zu übernehmen. In der frühkindlichen Bildung ist Gartentherapie ein großer Schatz.
Gartentherapie in Gemeinschaftsgärten kann all dies unterstützen und helfend den dort tätigen Menschen angeboten werden.
Einen Hinweis möchte ich abschließend noch geben, Gartentherapie ist keine Kassenleistung! Alle Gartentherapeuten arbeiten freiberuflich, die Wenigsten haben das Glück einer Festanstellung.

Für Antworten auf eure Fragen stehe ich gern zur Verfügung.

Sonnige Grüße Gero
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