Blog Urbane Gärten

  • 01. Juli 2020
    Bundesweite Befragung zu urbanen Gärten
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    Im März 2020 führte die anstiftung eine Umfrage unter Gemeinschaftsgärten durch. Die E-Mail mit dem Link zum Fragebogen ging an 669 Gärten, 214 Gärten schickten ihn ausgefüllt an uns zurück (5 Gärten antworteten doppelt). Eine quantitative Befragung wirft nicht selten mehr Fragen auf, als sie beantworten kann. Letztlich vermitteln die Antworten vor allem die Vielfalt der Verhältnisse, sprich die Unterschiedlichkeit der Gärten, und es bleibt der Zweifel, inwiefern sich die Ergebnisse hochrechnen lassen. Aber einige Trends können wir dennoch beobachten, wie z.B. der, dass offenbar immer mehr „Mischsysteme“, einerseits zwischen individuellen und Gemeinschaftsbeeten sowie andererseits zwischen Hochbeeten und Bodenbeeten, entstehen. Der Trend zum mobilen Gärtnern auf Zwischennutzungen ist dagegen rückläufig.

    Die Antworten zum Gründungsjahr belegen das kontinuierliche Wachstum der Urban-Gardening-Community, die große Mehrheit, ca. 190 Gärten wurden zwischen 2011 und 2020 gegründet. Die Größe der Gärten ist sehr unterschiedlich, der kleinste ist 20 m², der größte 15.000 m² groß. Die meisten Gärten bewegen sich zwischen 100 m² und 1000 m².

    Die eine Hälfte der Gärten liegt mitten in der Stadt, die andere am Stadtrand. Urban Gardening ist, wie der Name schon sagt, nach wie vor ein städtisches Phänomen, nur zehn Gärten finden sich auf dem Land.

    Vier Teiche, drei Bühnen und jede Menge Nistkästen

    Bestätigt hat sich, dass Urban Gardening ein vergleichsweise kostengünstiges Unterfangen ist, die meisten Gärten haben Betriebskosten bis zu 100 Euro im Monat, nur wenige Gärten benötigen mehr als 500 Euro. Hinsichtlich der Frage, wie sehr Gemeinschaftsgärten von Flächenverlust bedroht sind, ergibt sich kein klares Bild, bisher scheinen Umzüge noch nicht die Regel zu sein. 185 der 214 befragten Gärten mussten noch nicht umziehen, 21 Gärten sind 1 x, 7 Gärten 2 x, umgezogen, ein Garten musste noch öfter umziehen.

    Die Rechtsform der Gärten ist meist der eigene Verein (oder die Gärten sind Projekt eines anderen Vereins). Nur neun der befragten Gärten arbeiten als (gemeinnütziges) Unternehmen.

    Immerhin 96 Gärten (das sind 45,28 %) werden von ihrer Kommune gefördert, 79 Gärten werden von Stiftungen gefördert (37,26 %). Gänzlich ohne Förderung kommen 49 Gärten aus (das sind 25,94 %). Die Förderung durch die Kirche spielt nur eine geringe Rolle, auch nur zehn der befragten Gärten befinden sich auf einer Fläche, die der Kirche gehört.

    Interessant waren, wie immer, die vielen Besonderheiten, die z.B. auch bei der Frage nach der Ausstattung der Gärten deutlich wurde: Einen Wasseranschluss und einen Schuppen haben fast alle (jeweils 81 %), Toiletten und wetterfeste Versammlungsmöglichkeiten gut die Hälfte (51 %). Immerhin 40 Gärten (knapp 19 %) haben eine Werkstatt. Kochgelegenheiten gibt es in ca. der Hälfte der Gärten (in 98, das sind ca. 46 %, dazu kommen noch die mit den „Feuerstellen“), 23 Gärten verfügen über ein Lastenfahrrad. Unter „Sonstiges“, das ziemlich oft (69 x) angekreuzt wurde, merkt ein Projekt an, dass sie Komposttoilette und Solarstrom haben, ein anderes spricht von Solarstrom- und Regenwassernutzung, ein weiteres von Biomeiler und Fahrradanhänger, zehn Gärten erwähnen Insektenhotels (bzw. Hummelburg, Igelbehausung, Nistkästen). Vier Gärten haben einen Teich, drei eine Bühne, ein Garten erwähnt ausdrücklich das Hochbeet für Rollstuhlfahrer. Vier Gärten berichten, dass sie auf benachbarte Räumlichkeiten/ Infrastruktur zurückgreifen können. Als Alleinstellungsmerkmale seien noch erwähnt: Eine Freiluftkirche, ein Freisitz, ein Amphitheater, ein Büro, ein Sonnensegel, ein Erdkeller, ein Kunstprojekt, ein Lesesteinhaufen, ein Grünes Klassenzimmer, ein Weidenhaus, ein Open-Air-Kino.

    Wir danken allen Gemeinschaftsgärten, die sich die Zeit genommen haben, den Fragebogen zu beantworten.

    Im Folgenden weitere Ergebnisse in Schaubildern:

    F6neu


    F11


    F10



  • 27. April 2020
    Für den Erhalt des Prinzessinnengartens
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    Das Prinzessinnengarten Kollektiv Berlin ist durch Maßnahmen des Umwelt- und Naturschutzamtes Neukölln in seiner Existenz bedroht.
     
    2018 initiierte das Prinzessinnengarten Kollektiv Berlin einen offenen Gemeinschaftsgarten auf einer Friedhofsfläche. Zusammen mit dem Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte (EVFBS) ist es so gelungen, ein neues Flächennutzungsmodell zu finden, das eine langfristige Perspektive darstellt und beispielgebend für andere urbane Gärten sein kann. Die Anordnung zum Rückbau durch das Bezirksamt Neukölln betrifft den Großteil des Gemeinschaftsgartens. Alle Versuche des Friedhofsverbandes, eine Kompromisslösung zu finden und Gesprächsoffenheit zu vermitteln, sind bislang gescheitert.

    >> zur Petition für den Erhalt des Prinzessinnengartens.

  • 21. April 2020
    Corona und urbane Gemeinschaftsgärten
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    Wie reagieren eigentlich Gemeinschaftsgärten auf die Einschränkungen gemeinschaftlichen Handelns in Corona-Zeiten? Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat sich bei der anstiftung erkundigt, der Artikel erschien in vielen überregionalen Blättern, u.a. auch in der Süddeutschen Zeitung. Auf der Plattform urbane-gaerten.de teilt und diskutiert die Gemeinschaftsgarten-Community kontinuierlich den möglichst kreativen Umgang mit den gesetzlichen Vorgaben.



  • 24. Februar 2020
    Kein Ende der Geschichte!
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    Der Soziologe Ingolfur Blühdorn sorgt sich schon seit Längerem darum, dass der modernen Demokratie ihre Grundlagen abhandenkommen – hier insbesondere die nationalstaatliche Souveränität sowie die Verfügung über natürliche und gesellschaftliche Ressourcen, die bisher Wohlstand und Umverteilung ermöglichten. Der Professor für soziale Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien leitet das Institut für Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit. Jetzt hat er mit Kolleg_innen ein neues Buch veröffentlicht mit dem vielsagenden Titel „Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit“. Wer immer schon wissen wollte, „warum die ökologische Transformation der Gesellschaft nicht stattfindet“ (Untertitel), findet in dem Sammelband soziologisch fundierte Antworten. Ob einem* diese Antworten gefallen, steht auf einem anderen Blatt. Blühdorn & Kolleg_innen wollen nicht darin gefallen, die Verhältnisse schönzureden, das überlassen sie anderen. Sie wollen auch keinen (falschen) Trost verbreiten, sie wollen aufzeigen, was ist. Dies allerdings schon in der Hoffnung, dass das klare Erkennen dessen, was ist, helfen könnte bei der Wende zum Besseren.

    Im Unterschied zu anderen Nachhhaltigkeitsforscher_innen, die mit Verweis auf nachhaltigen Konsum und Nischenaktivismus die Gesellschaft auf einem guten Weg sehen, befassen sich Blühdorn & Kolleg_innen vor allem mit den Blockaden, die der gewollten Trendwende in Richtung sozial und ökologisch nachhaltige Gesellschaft entgegenstehen; mehr noch, sie bezweifeln, dass die sozial-ökologische Transformation überhaupt (noch) gewollt ist. Das Paradigma der Nachhaltigkeit, auf das man sich, zumindest theoretisch, einmal geeinigt hatte (im Erdgipfel von Rio 1992 und den Klimaabkommen seit Kyoto 1997), steht derzeit grundsätzlich zur Disposition. Mit der Erschöpfung der Ressourcen verbreite sich das Gefühl, dass eben doch nicht genug für alle da sei, und es werde die Parole ausgegeben „Rette sich, wer kann“.

    Blühdorn beobachtet in den westlichen Gesellschaften – gerade auch in ihren kosmopolitischen Milieus – die wilde Entschlossenheit, den gewohnten Lebensstil, komme was wolle, zu verteidigen. Auch um den Preis, sich von Gerechtigkeit- und Menschenrechtidealen zu verabschieden. Die AfD, so seine provozierende These, verfolge die Politik des Ausschlusses lediglich offen, die andere Parteien, mit Rücksicht auf Wählerstimmen, klammheimlich verfolgten. Der empörte Abscheu gegen die völkische Rede sei nichts weiter als eine Externalisierungsstrategie, so wie die Verschiffung von Müll in den Globalen Süden eine ist.

    So weit, so desillusionierend. Allerdings betont Blühdorn eingangs zurecht, dass wir es nicht nur mit der Transformation der empirisch-sozialen Verhältnisse, sprich mit dem Klimawandel, der Erschöpfung der Ressourcen etc., zu tun haben, sondern vor allem auch mit den Formen ihrer sozialen Wahrnehmung und den Maßstäben ihrer Bewertung. Und das bedeutet, es ist noch lange nicht ausgemacht, wie sich die Verhältnisse entwickeln werden. Die Formen der sozialen Wahrnehmung und die Maßstäbe ihrer Bewertung müssen nicht bleiben, wie sie sind. Ob die Subjekte ihre Bedürfnisse nach Freiheit, Selbstverwirklichung und Authentizität auf Dauer mit ihren Konsummöglichkeiten zusammenfallen sehen, ist so offen wie offensichtlich ist, dass die Geschichte keineswegs an ihr Ende gekommen ist.

    Ingolfur Blühdorn (mit Felix Butzlaff, Michael Deflorian, Daniel Hausknost, Mirjam Mock) (2020): Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit. Warum die ökologische Transformation der Gesellschaft nicht stattfindet, Bielefeld: transcript Verlag

    https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-4516-3/nachhaltige-nicht-nachhaltigkeit/

  • 05. September 2019
    Urbane Waldgärten
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    Der Begriff "urbane Waldgärten" ruft als erste Assoziation ein Paradox auf: Ist es denn im Wald nicht zu schattig für einen Garten? Gemeint ist jedoch der mehrschichtige Pflanzenaufbau nach dem Prinzip eines Waldes. Die Deutsche Presseagentur (dpa) findet diese neue Form des Gemeinschaftsgärtnerns jedenfalls so interessant, dass sie einen ausführlichen Bericht veröffentlichte.

    http://urbane-waldgaerten.de/

  • 18. April 2019
    Webinar: Wildbienen in Gemeinschaftsgärten
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    Wildbienen sind wichtige Bestäuberinsekten, doch ihr Lebensraum wird immer knapper. In Deutschland sind sie stark gefährdet, etwa die Hälfte der 600 Wildbienenarten hierzulande steht auf der Roten Liste, einige sind schon ausgestorben oder unmittelbar bedroht. Den oft hochspezialisierten Wildbienenarten fehlen Nahrung und Nistmöglichkeiten.

    Das Webinar von Dr. Christian Schmid-Egger beschäftigte sich u.a. mit folgenden Fragen: Wie können Wildbienen (und andere Bestäuberinsekten) in Gemeinschaftsgärten gefördert werden? Was für Bedingungen sind förderlich? Auf was muss man beim Nistkastenbau achten? Wie vertragen sich Wildbienen mit Honigbienen und anderen Insekten? Wie kann man die verschiedenen Gartennutzer*innen auf die Wildbienen aufmerksam machen?

    Download der Präsentation hier.



  • 26. Februar 2019
    Charta für das Berliner Stadtgrün
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    Trotz jahrelanger beeindruckender Bemühungen der Berliner Gartenbewegung um die selbstorganisierte Schaffung und Erhaltung von grünen Begegnungsorten für alle werden urbane Gärten vom Berliner rot-rot-grünen Senat augenscheinlich nur als (verzichtbare) Zwischennutzung gesehen. Zwar will der Berliner Senat in einem Impulspapier für eine Charta für das Berliner Stadtgrün die grüne Infrastruktur der Hauptstadt langfristig stärken – dabei scheinen aber ausgerechnet die Gemeinschaftsgärten keine bedeutsame Rolle zu spielen. Hier ist die Antwort des Netzwerks Urbane Gärten Berlin auf das Impulspapier.

  • 25. Februar 2019
    Was heißt hier gerecht?
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    Unter dieser Fragestellung tagte die anstiftung im November am Starnberger See. Ein Bericht über unsere Kooperationstagung erschien nun auf dem Blog interdisziplinäre Geschlechterforschung. Hier geht's zum Tagungsbericht.

  • 23. November 2018
    Urban Gardening Sommercamp 2018 in Köln
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    Das 7. bundesweite Sommercamp fand am ersten Septemberwochenende 2018 im Gemeinschaftsgarten NeuLand in Köln statt. Die besprochenen Themen waren u.a.:

     
    • Erfahrungsaustausch zum Gemeinschaftsgärtnern mit Geflüchteten / UGAIN
    • Kollegiale Beratung: Strategien gegen Verdrängung
    • Austausch zu den stadtpolitischen Entwicklungen
    • Solarstrom im Gemeinschaftsgarten
    • Alles Große kommt vom Kleinen: Fermentieren
    • Gemeinsam gärtnern - zusammen wachsen
    • Gartengeräte-Workshop & Wenn Computerfreaks zum Hacken in den Garten gehen
    • Open Space zu Hierarchien im Garten mit Input
    Der Bericht vom Kölner Neuland-Garten gibt Einblicke in Inhalte und Atmosphären des Camps. Ein paar Bilder und Skripte vom Wochenende finden sich hier.

    Vielen Dank nochmal ans NeuLand-Team und alle weiteren HelferInnen!



  • 22. November 2018
    Taschen-Garten 2019
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    Auch für das kommende Jahr gibt es wieder einen Taschen-Garten.

    Er ist politischer Gartenkalender & persönlicher Terminplaner, mit wöchentlicher Anbauplanung und vielen Praxistipps für den (Gemüse-)Garten.

    "In die Zukunft wachsen" ist der Titel des taschenGARTENs 2019. Damit ist nicht die Logik des "Wachsen oder Weichens" gemeint, mit der heute so viele landwirtschaftliche Betriebe zu kämpfen haben; nicht die Vorstellung von einem unendlichen Wachstum, wie es im Kapitalismus für möglich gehalten wird. Die MacherInnen fragen sich vielmehr, wie man diesem System endgültig entwachsen kann. Und was es braucht, damit eine Transformation der Agrarsysteme gelingen kann und wie diese dann aussehen könnten. Sie fragen sich, wie  Lebensmittel auf eine gesunde Art und Weise wachsen können, so dass die Nahrungsmittelproduktion dauerhaft funktionieren kann. Und wie die produzierten Lebensmittel dann auch allen zugänglich gemacht werden können.

    taschenGARTEN 2019 bestellen unter:

    https://www.taschen-garten.de






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