Eine kleine Gruppe von Permakulturexpert*innen gestaltete 2018 auf einer privaten Fläche in Holzkirchen einen Biogarten nach Permakulturprinzipien. Das Interesse an dem Projekt wuchs, ein Verein wurde gegründet, der Ertrag reichte für Ökokisten für diesen Kreis. Die Arbeit nahm zu und die Vereinsmitglieder arbeiteten tatkräftig mit. Wegen Unstimmigkeiten mit der Flächeneigentümerin musste der Garten 2024 umziehen. Durch gute Kontakte hatte die Gruppe schnell fünf Flächen zur Auswahl. Die Wahl fiel auf eine 6600m²große Hangfläche am Rand der Marktgemeinde. Eine Pacht fällt nicht an, genutzt werden kann die Fläche mindestens 10 Jahre lang. Die Hälfte der Fläche wird derzeit gemeinschaftlich bewirtschaftet, die andere Hälfte ist Wiese, die Mulchmaterial liefert. Sie haben keinen Wasseranschluss und sammeln Regenwasser und nutzen dafür die Hanglage. Durch ausgeklügelte Systeme wird das Regenwasser in „Gießteiche“ geleitet und kann daraus mit Gießkannen entnommen werden.
Die Gruppe, die heute 50 Mitglieder zählt – die Hälfte davon aktiv –, entscheidet nach Soziokratie- und Konsensprinzipien. Alle bringen Expertise mit, viele haben eine ökologische oder landwirtschaftliche Vorbildung. Der Garten ist ein Ort des Ausprobierens: 130 essbare Heckenpflanzen, eine Streuobstwiese, Gemüse- und Blumenbeete, Teiche, ein Sandarium, zwei Benjeshecken, ein „Vermehrungsbeet“ und ein Kraterbeet mit Kräutern prägen das Bild. Mit Drohnenaufnahmen wurde ein detaillierter Gartenentwicklungsplan erstellt, der den Ist-Zustand und neue Ideen dokumentiert. Eine Datenbank und professionelle Fotos ergänzen das Projekt.
Die Ernte wird geteilt, und neue Interessierte können nach einem dreimonatigen Schnuppern mitmachen. Zukunftspläne umfassen mehr Schatten, Ausbau der Ruhezonen, weitere Bienenweiden und einen zusätzlichen, größeren Gießteich.
Zahlreiche Gemeinschaftsgärtnernde, Expertinnen und Experten aus der Verwaltung, Planende, Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen von Verbänden arbeiteten seit 2020 gemeinsam an der Entwicklung des Berliner Gemeinschaftsgarten-Programms. Es wurde am 24. Januar 2023 durch den Senat von Berlin beschlossen.
Im Gemeinschaftsgarten-Programm finden sich konkrete Maßnahmen, die die Belange und Anliegen aller gemeinschaftlich gärtnernden Akteur*innen berücksichtigen. Ein Ergebnis des Arbeitskreises Berliner Gemeinschaftsgarten-Programm sind die Koordinierungsstellen für Gemeinschaftliches Gärtnern, die es derzeit in den vier Berliner Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Marzahn-Hellersdorf, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf gibt. Gefördert werden sie von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie den beteiligten Bezirksämtern.
Die Koordinierungsstellen für Gemeinschaftliches Gärtnern unterstützen die Vernetzung der in den urbanen Gärten aktiven Menschen, beraten zu Fördermöglichkeiten und Flächen, in einzelnen Bezirken auch zu Baumpatenschaften.
In Friedrichshain-Kreuzberg können Bürger*innen zudem Beetpatenschaften abschließen. Regelmäßige Netzwerktreffen und Beratungen zu verschiedensten Gemeinschaftsgartenthemen wie z. B. „Welche Pflanzen gedeihen trotz Trockenheit im Stadtraum?“, „Was tun gegen Vandalismus im urbanen Garten?“ oder „Wie gründe ich eine neue Garten-Initiative?“ runden das Angebot ab. Die Koordinierungsstelle Gemeinschaftliches Gärtnern Friedrichshain-Kreuzberg in Trägerschaft von Plan B 2030 agiert unter dem Motto „Xhain gärtnert“ als zentrale Schnittstelle zwischen Anwohnenden und Ämtern. Auf der Website gibt es Informationen zu Sprechstunden und Beetpatenschaften.
Die Koordinierungsstelle Gemeinschaftliches Gärtnern Marzahn-Hellersdorf wird vom Naturschutz Berlin-Malchow e.V. betreut und berät von der Planung bis zur naturnahen Pflege von Gemeinschaftsgärten. Das gegenseitige Kennenlernen und der fachliche Austausch wird in regelmäßigen Netzwerktreffen gefördert. Alle wichtigen Informationen gibt es auf der Website
Der Interkulturelle Garten Coswig, 2008 gegründet, ist mit 11.000m² einer der größeren Gemeinschaftsgärten in Deutschland. Der Garten wird überwiegend gemeinschaftlich bewirtschaftet, die Gemüsebeete umfassen 1000m², Johannisbeeren und Obstgehölze 500m². Zusätzlich gibt es eine 2000m² große Obstwiese, eine Staudenfläche mit Blühpflanzen mit 200m² sowie eine Wildnis- und eine Wiesenfläche.
Seit ein paar Jahren passen die Gärtner*innen das Gartenprojekt an das wärmere und trockenere Klima an. Es wird gemulcht, kompostiert und auf den Standort angepasstes Wildobst gesetzt.
Dieses Jahr steigen sie noch tiefer ein und haben eine sechsteilige Workshopreihe organisiert. Sie wollen gemeinsam in Theorie und Praxis lernen, wie sie den Garten an Hitze, Trockenheit, Spätfrost und Starkregen anpassen und gleichzeitig die biologische Vielfalt fördern können.
Geplant sind die Erarbeitung eines entsprechenden Pflanzplans, ein wassersparender Anbau mit Anlage von Wällen und Gießringen, Bodenverbesserung z.B. durch Geländemodellierungen mit lehmhaltiger Erde, der Bau eines Frühbeets, die Umpflanzung von Beerensträuchern an bessere Standorte und eigene Saatgutgewinnung.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem interkulturellen Wissensaustausch und Wissen und Erfahrungen der Gärtner*innen werden in jeden Workshop einbezogen. Anbauerfahrungen aus Indien, Iran oder Syrien werden auf die regionale Praxis übertragen. Die Workshops richten sich an die Gartengruppe, die Nachbarschaft und lokale Initiativen. Zu jedem Workshop wollen sie eine Info-Tafel erstellen, um das erlangte Wissen zu dokumentieren und zu teilen.
Die Stadt Haar hat vier Gartenprojekte unter dem Motto „Haar zum Anbeißen“ initiiert. Sie stellt urbar gemachte Flächen, Gartenwerkzeug, Wasserversorgung, Saatgut und Pflanzen zur Verfügung und organisiert Vorträge und Workshops. Die Flächen begärtnern Ehrenamtliche. Ernten darf jede*r.
Einer dieser Gärten ist der Garten Eglfing, den es seit 2014 gibt. Gestartet als Projekt, in dem alles gemeinschaftlich gemacht wird, bewirtschaften die 25 Gärtner*innen heutzutage hauptsächlich individuelle Beete. Auch eine Kindergruppe vom Bund Naturschutz und die VHS nutzen den Garten. In den Beeten wächst eine große Vielfalt. Die Gärtner*innen sind zufrieden, dass ihnen nur ein Teil der Ernte bleibt, sehen sie doch, wie viel die Stadt zur Verfügung stellt.
Doch nicht nur das Gärtnern, sondern vor allem die gemeinsamen Bauprojekte und Feste schweißen die Gruppe zusammen. So legten sie eine 65m lange Benjeshecke, die einen wichtigen Lebensraum für Insekten, Amphibien und kleine Säugetiere bietet, als Rankhilfe für Kürbis u.ä. dient und den Garten vor Hunden schützt. Eine beliebte „Gassi-Rennbahn“ führt direkt am Garten vorbei. Das Bauprojekt 2025 war ein Geräteschuppen, von dessen Dach Regenwasser geerntet werden kann. Planung und Umsetzung erfolgte von der hauptsächlich weiblichen Gartengruppe in Handarbeit. Gartengeräte, Saatgut, Werkzeug und Schubkarren finden hier Platz. Mit einer Bank an der einen Seite bietet er einen kleinen Freisitz.
Wichtig für die Gemeinschaft sind auch monatlich stattfindende gemeinsame Frühstücke im Garten, bei denen Wissen und Erfahrungen ausgetauscht, Fragen gemeinsam geklärt und Pläne für die Zukunft geschmiedet werden. Highlights sind außerdem das Sommer- und Wintergrillen, wo viel Selbstgeerntetes in gemütlicher Atmosphäre bei Wein und Gesang verzehrt wird.
Mitten im Stadtteil Naußlitz (Dresden) wächst ein besonderer Ort: Ackerschnack, der Gemeinschaftsgarten der Volkshochschule Dresden. Hier treffen sich Menschen jeden Alters und mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen, um gemeinsam zu gärtnern, sich auszutauschen und eine schöne Zeit im Grünen zu verbringen. Ob Gemüse pflanzen, Blumen säen, Beete anlegen, ernten oder einfach bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch kommen – im Ackerschnack ist jede und jeder willkommen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer neugierig ist, Freude an der Natur hat oder einfach neue Menschen kennenlernen möchte, ist hier richtig. Der offene Gartentag bietet Raum zum Mitmachen, Ausprobieren und Lernen. Gemeinsam entdecken die Gärtner*innen, wie Gemüse wächst, welche Pflanzen Insekten anlocken und wie nachhaltiges Gärtnern gelingen kann. Dabei geht es nicht nur um Pflanzen, sondern vor allem um Gemeinschaft. Hier entstehen Begegnungen, neue Freundschaften und kleine Erfolgserlebnisse, wenn die ersten Erdbeeren reif werden oder das selbst gepflanzte Gemüse geerntet werden kann.
Neben Seminarräumen und digitalen Angeboten erweitert der Gemeinschaftsgarten als dritter Lernort der VHS das Bildungsangebot um einen praxisnahen Ort, an dem Kurse, Workshops und offene Mitmachaktionen zu Themen wie nachhaltigem Gärtnern, gesunder Ernährung, Umwelt- und Klimaschutz, kreativem Gestalten sowie interkulturellem Austausch stattfinden. Bildung wird dabei nicht nur vermittelt, sondern durch gemeinsames Handeln unmittelbar erfahrbar. Der Ackerschnack ist Anfang Juni 2026 auf einer 280 m² großen Parzelle in einer Kleingartenanlage entstanden und befindet sich noch im Aufbau. Gegärtnert wird gemeinschaftlich. Zu den Gärtner*innen gehören Teilnehmende von VHS-Angeboten und Projekten der Erwachsenenbildung sowie Interessierte aus der Nachbarschaft. Kooperationen mit Initiativen wie „Die Löbtauer Runde“ und „Stadtwurm Dresden“ bringen wertvolle Erfahrungen aus der Gemeinschaftsgartenpraxis ein. Sie unterstützen in den Bereichen gärtnerisches Know-how, Methoden der Beteiligung sowie Stadtteilarbeit.
Kurzportrait des Gartens mit Kontaktmöglichkeit
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