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ie Floating Gardens verstehen sich als artenübergreifende Gemeinschaft, die sich wöchentlich zur kollektiven Gartenpraxis „Cultivate with Care“ zusammenfindet. Seit 2019 recherchiert und sät sie ortsspezifische Permakulturen, die die Beziehung zwischen den gebauten Strukturen der Floating University im Regenrückhaltebecken des Tempelhofer Felds und den Jahreszeiten gestalten. Dabei werden Möglichkeiten erforscht, mehr Vielfalt an essbaren Pflanzen anzubauen, ohne dabei den Boden zu berühren: für Menschen und für die Lebewesen, die diesen Ort bewohnen. Was als Gruppe von Hobbygärtner*innen begann, wächst seitdem zu einer interkulturellen Gemeinschaft kreativer, praxiserprobter Hüter*innen der Biodiversität heran. Durch kollektive botanische Praxis schaffen die Floating Gardens eine Öko-Infrastruktur für gemeinsames Lernen über die Regeneration der urbanen Artenvielfalt.
Im Fokus stehen dieses Jahr der „Urban Rose and Berry Grove“ (ein Beeren- und Wildrosenhain) und die „Floating Pots“ (schwebende Pflanzgefäße aus biologisch abbaubaren Materialien). Sie wollen damit zeigen, wie Ernährungssouveränität in der Stadt gelingen kann – trotz versiegelter, kontaminierter Böden. Das selbst gesammelte Saatgut, vor allem von Bohnen und Wildblumen, wird in einem eigenen Archiv bewahrt und vermehrt. Bohnen werden schon seit einigen Jahren angebaut und nun in die Floating Pots eingepflanzt. Dort sind sie bei Überflutungen keinem Kontaminationsrisiko ausgesetzt. Für den im Küchengarten wachsenden Urban Rose und Berry Grove auf dieselben Beeren- und Wildrosensträucher zurückgegriffen, die auch spontan auf dem nicht begehbaren Gelände rund um das Becken herum wuchern.
Die Gärten werden mit Regenwasser und einem Tropfbewässerungssystem versorgt. Low-Tech-Lösungen wie Ollas (Tontöpfe) ergänzen das System. Die geernteten Früchte, Kräuter und Blüten werden gemeinsam in der Floating Freiraumküche verarbeitet – für saisonale Mahlzeiten, Tee oder Workshops.
In allen Gemeinschaftsgärten wachsen Färberpflanzen. In einigen gibt es schon Färberbeete.
Das gezielte Anpflanzen von Färberpflanzen erhöht die Biodiversität, fördert den Anbau von historischen, vergessenen Nutzpflanzen und ermöglicht die Gewinnung von natürlichen Farbstoffen mit einer reichhaltigen Farbpalette. Damit lassen sich z.B. Papier und Textilien färben, Bilder malen oder auch Schminke herstellen.
Im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor in Berlin haben die Schönfärberinnen in mehreren Hoch- und Flachbeeten eine große Vielfalt von Färberpflanzen angelegt. Ihr großes Wissen teilten sie Anfang September im Workshop „Farbe pflanzen – Färbergarten anlegen und mit Naturfarben färben“.
Die Teilnehmer*innen aus verschiedenen Berliner Gemeinschaftsgärten lernten Färberpflanzen wie Färberkrapp, Färberkamille, Kermisbeere, Johanniskraut, Goldrute, Tagetes, Waid, Färberwau, Schöllkraut, Färberknöterich, Frauenmantel, Brennnessel, Rainfarn, Wilde Möhre kennen und tauschten eigenes Wissen und Erfahrungen aus.
Eine wichtige Erkenntnis für alle war, dass viele Färberpflanzen einen sonnigen, mageren Standort brauchen und mit wenig Wasser auskommen. Im Mittelpunkt des Workshops standen klassische Färberpflanzen, die besonders licht- und waschecht sind. Von den ca. 150 bekannten Färberpflanzen sind das nur einige. Die Schönfärberinnen erläuterten, welche Textilien sich eignen und was vor, während und nach dem Färben zu beachten ist. So müssen die Textilien vor dem Färben gebeizt werden, damit die Fasern sich öffnen und die Farbe annehmen können.
Die Teilnehmer*innen stellten mit großer Begeisterung aus Krapp, Goldrute, grünen Walnussschalen, Tagetes, Färberknöterich und Zwiebelschalen Farbflotten her und färbten Baumwolle, Leinen, Nessel, Seide und Wolle. Die Farbergebnisse waren erstaunlich unterschiedlich. Mit der japanischen Shibori-Technik, eine bestimmte Faltung- und Klammer-Technik, ließen sich ganz besondere Muster erzeugen.
Eine kleine Gruppe von Permakulturexpert*innen gestaltete 2018 auf einer privaten Fläche in Holzkirchen einen Biogarten nach Permakulturprinzipien. Das Interesse an dem Projekt wuchs, ein Verein wurde gegründet, der Ertrag reichte für Ökokisten für diesen Kreis. Die Arbeit nahm zu und die Vereinsmitglieder arbeiteten tatkräftig mit. Wegen Unstimmigkeiten mit der Flächeneigentümerin musste der Garten 2024 umziehen. Durch gute Kontakte hatte die Gruppe schnell fünf Flächen zur Auswahl. Die Wahl fiel auf eine 6600m²große Hangfläche am Rand der Marktgemeinde. Eine Pacht fällt nicht an, genutzt werden kann die Fläche mindestens 10 Jahre lang. Die Hälfte der Fläche wird derzeit gemeinschaftlich bewirtschaftet, die andere Hälfte ist Wiese, die Mulchmaterial liefert. Sie haben keinen Wasseranschluss und sammeln Regenwasser und nutzen dafür die Hanglage. Durch ausgeklügelte Systeme wird das Regenwasser in „Gießteiche“ geleitet und kann daraus mit Gießkannen entnommen werden.
Die Gruppe, die heute 50 Mitglieder zählt – die Hälfte davon aktiv –, entscheidet nach Soziokratie- und Konsensprinzipien. Alle bringen Expertise mit, viele haben eine ökologische oder landwirtschaftliche Vorbildung. Der Garten ist ein Ort des Ausprobierens: 130 essbare Heckenpflanzen, eine Streuobstwiese, Gemüse- und Blumenbeete, Teiche, ein Sandarium, zwei Benjeshecken, ein „Vermehrungsbeet“ und ein Kraterbeet mit Kräutern prägen das Bild. Mit Drohnenaufnahmen wurde ein detaillierter Gartenentwicklungsplan erstellt, der den Ist-Zustand und neue Ideen dokumentiert. Eine Datenbank und professionelle Fotos ergänzen das Projekt.
Die Ernte wird geteilt, und neue Interessierte können nach einem dreimonatigen Schnuppern mitmachen. Zukunftspläne umfassen mehr Schatten, Ausbau der Ruhezonen, weitere Bienenweiden und einen zusätzlichen, größeren Gießteich.
Zahlreiche Gemeinschaftsgärtnernde, Expertinnen und Experten aus der Verwaltung, Planende, Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen von Verbänden arbeiteten seit 2020 gemeinsam an der Entwicklung des Berliner Gemeinschaftsgarten-Programms. Es wurde am 24. Januar 2023 durch den Senat von Berlin beschlossen.
Im Gemeinschaftsgarten-Programm finden sich konkrete Maßnahmen, die die Belange und Anliegen aller gemeinschaftlich gärtnernden Akteur*innen berücksichtigen. Ein Ergebnis des Arbeitskreises Berliner Gemeinschaftsgarten-Programm sind die Koordinierungsstellen für Gemeinschaftliches Gärtnern, die es derzeit in den vier Berliner Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Marzahn-Hellersdorf, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf gibt. Gefördert werden sie von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie den beteiligten Bezirksämtern.
Die Koordinierungsstellen für Gemeinschaftliches Gärtnern unterstützen die Vernetzung der in den urbanen Gärten aktiven Menschen, beraten zu Fördermöglichkeiten und Flächen, in einzelnen Bezirken auch zu Baumpatenschaften.
In Friedrichshain-Kreuzberg können Bürger*innen zudem Beetpatenschaften abschließen. Regelmäßige Netzwerktreffen und Beratungen zu verschiedensten Gemeinschaftsgartenthemen wie z. B. „Welche Pflanzen gedeihen trotz Trockenheit im Stadtraum?“, „Was tun gegen Vandalismus im urbanen Garten?“ oder „Wie gründe ich eine neue Garten-Initiative?“ runden das Angebot ab. Die Koordinierungsstelle Gemeinschaftliches Gärtnern Friedrichshain-Kreuzberg in Trägerschaft von Plan B 2030 agiert unter dem Motto „Xhain gärtnert“ als zentrale Schnittstelle zwischen Anwohnenden und Ämtern. Auf der Website gibt es Informationen zu Sprechstunden und Beetpatenschaften.
Die Koordinierungsstelle Gemeinschaftliches Gärtnern Marzahn-Hellersdorf wird vom Naturschutz Berlin-Malchow e.V. betreut und berät von der Planung bis zur naturnahen Pflege von Gemeinschaftsgärten. Das gegenseitige Kennenlernen und der fachliche Austausch wird in regelmäßigen Netzwerktreffen gefördert. Alle wichtigen Informationen gibt es auf der Website
Der Interkulturelle Garten Coswig, 2008 gegründet, ist mit 11.000m² einer der größeren Gemeinschaftsgärten in Deutschland. Der Garten wird überwiegend gemeinschaftlich bewirtschaftet, die Gemüsebeete umfassen 1000m², Johannisbeeren und Obstgehölze 500m². Zusätzlich gibt es eine 2000m² große Obstwiese, eine Staudenfläche mit Blühpflanzen mit 200m² sowie eine Wildnis- und eine Wiesenfläche.
Seit ein paar Jahren passen die Gärtner*innen das Gartenprojekt an das wärmere und trockenere Klima an. Es wird gemulcht, kompostiert und auf den Standort angepasstes Wildobst gesetzt.
Dieses Jahr steigen sie noch tiefer ein und haben eine sechsteilige Workshopreihe organisiert. Sie wollen gemeinsam in Theorie und Praxis lernen, wie sie den Garten an Hitze, Trockenheit, Spätfrost und Starkregen anpassen und gleichzeitig die biologische Vielfalt fördern können.
Geplant sind die Erarbeitung eines entsprechenden Pflanzplans, ein wassersparender Anbau mit Anlage von Wällen und Gießringen, Bodenverbesserung z.B. durch Geländemodellierungen mit lehmhaltiger Erde, der Bau eines Frühbeets, die Umpflanzung von Beerensträuchern an bessere Standorte und eigene Saatgutgewinnung.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem interkulturellen Wissensaustausch und Wissen und Erfahrungen der Gärtner*innen werden in jeden Workshop einbezogen. Anbauerfahrungen aus Indien, Iran oder Syrien werden auf die regionale Praxis übertragen. Die Workshops richten sich an die Gartengruppe, die Nachbarschaft und lokale Initiativen. Zu jedem Workshop wollen sie eine Info-Tafel erstellen, um das erlangte Wissen zu dokumentieren und zu teilen.
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