Am 20. Juni feierte der Freiburger Gemeinschaftsgarten „zusammen gärtnern“ sein zehnjähriges Bestehen. Was 2016 auf einer ehemaligen Pferdeweide begann, hat sich zu einem lebendiger Lern- und Begegnungsort entwickelt. Rund 350 Menschen aus 16 Ländern sind Teil der Gartengemeinschaft. Sei es als Beetpat*in, der regelmäßigen Teilnahme am offenen Gartentag oder punktuell bei Workshops und Aktionstagen. Die 3.500 m² große Fläche bietet individuelle Beete, einen großen gemeinschaftlich bewirtschafteten Bereich mit Sandkiste für Kinder, Hängemattenzone, Komposttoilette und Feuerstelle, sowie einen Inklusionsbereich, in dem junge Menschen mit Behinderung gärtnerisch arbeiten und praktische Erfahrungen im ökologischen Gärtnern sammeln können. Der Garten ist barrierearm, nicht abgeschlossen und das Mitmachen ist immer kostenfrei.
Im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Tun und der inklusive Ansatz. Ob Menschen mit Behinderungen, Migrationshintergrund, wenig Einkommen, Sehnsucht nach Gemeinschaft, Familien mit Kindern und ältere Menschen – hier findet jede*r einen Platz. Der Garten verbindet ökologischen Anbau mit sozialer Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Teilhabe.
Gemeinschaft entsteht vor allem durch das gemeinsame Tun – durch Gärtnern, Bauen, Lernen, aber auch durch gemeinsames Kochen, Essen und Feste oder Workshops. Diese Mischung aus praktischer Arbeit und sozialem Miteinander ist zentral.
Über 250 Gäste besuchten das Jubiläumsfest. Das Programm reichte von Afrofunk und brasilianischen Tänzen über kreative Mitmachangebote wie Sonnendruck und Naturkunst bis hin zu einem vielfältigen kulinarischen Angebot mit Pizza aus dem Holzofen, kurdischer Feuerpfanne, Salatbuffet und selbstgebackenen Kuchen.
Das Jubiläum machte einmal mehr deutlich, welche Bedeutung Gemeinschaftsgärten als offene Begegnungsräume haben. Sie schaffen Möglichkeiten zur Mitgestaltung, fördern Selbstwirksamkeit und zeigen, dass Vielfalt, Teilhabe und solidarisches Zusammenleben ganz konkret vor Ort gelebt werden können.
Mitte Juni trafen sich 120 Gemeinschaftsgartenbegeisterte aus 64 Gartenprojekten in 30 Städten zum Urban-Gardening-Sommercamp. Das Sommercamp-Team des „Netzwerk Leipziger Gemeinschaftsgärten (NELGE) hatte im Hildegarten und im Obstgarten beste Bedingungen geschaffen.
Auf den beiden Flächen gab es viel Platz für Praxisworkshops, Projektvorstellungen, Vorträge, gegenseitige Beratung, Austausch und Vernetzung. Auf der großen Obstbaumwiese konnte gezeltet werden. Erstmalig gab es Kinderbetreuung bei einem Sommercamp.
NELGE Mitglieder informierten bei Führungen über den Bürgerbahnhof Plagwitz und den Hildegarten.
22 Workshops wurden angeboten, inhaltlich ging es dabei u.a. um Mycel im Garten, Kompostmethoden, Malen mit Naturfarben, Gemeinschaftsgärten in Kleingartenvereinen, aktuelle Forschungen zur Urban-Gardening-Szene, Bewässerungsmöglichkeiten, Waldgarten- und Bodenaufbau, die solidarische Heilkräuterapotheke HEKAYAT, Obstbäume, Bienen, Dragon Dreaming, einen inklusiven und interkulturellen Garten, Gemeinschaftsgärten in Grenoble und Habitatdesign für Flugarten.
Bestens versorgt wurden die Teilnehmenden u.a. durch das Pizza-Team und die Küfa:Crew vom Hildegarten. Wer wollte, konnte im Garten frühstücken. Die guten Kontakte des Sommercamp-Teams zur Leipziger Foodsharing und SoLaWi-Szene trugen zur Vielfalt des kulinarischen Angebots bei.
Reel auf dem Instagram-Account des Hildegartens
Das Programm (PDF)
Rückblick auf alle Sommercamps
Die Forschungsgruppe „Zukunft pflanzen: Gärtnern mit vielen Arten im Anthropozän“ („Planting Future: Multispecies Gardening in the Anthropocene“) erforscht das Gärtnern unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts. Die Gruppe möchte die Erfahrungen von Gärtnerinnen und Gärtnern in den sozial-ökologischen Krisen unserer Zeit verstehen und vermitteln. Gärten werden ebenso als Schauplätze der derzeitigen Veränderungen (Transformation) wie auch als besondere Orte gesellschaftlicher Anpassungsfähigkeit (Resilienz) gesehen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem gemeinsamen Gärtnern von Menschen mit anderen Gartenbewohnern wie Pflanzen, Vögeln, Insekten etc.
Die Gruppe ist am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Empirische Kulturwissenschaft der Julius-Maximilians-Universität Würzburg angesiedelt. Praxispartnerin ist die Bayerische Gartenakademie, die auch den Gärtner*innen mit gärtnerischem Fachwissen zur Seite steht. Das Team der Universität vermittelt kulturwissenschaftliches Wissen über das Gärtnern unserer Zeit, bezieht die Forschungspartner*innen im Laufe des Projekts in den Stand der Forschungen und aktuelle Veranstaltungen ein und gibt Ihnen Gelegenheit, eigene Gartengeschichten zu publizieren. Nicht zuletzt bietet der Austausch mit den Kulturwissenschaftler*innen die Möglichkeit, nochmal neu und teils anders über das eigene Gärtnern nachzudenken.
Gemeinschaftsgärtner*innen sind herzlich eingeladen mitzuforschen, etwa durch Interviews und Gartenbegehungen. Die Daten werden im Zuge der Verarbeitung anonymisiert, analysiert und veröffentlicht.
Wer mitforschen möchte, meldet sich gerne unter
Mit dem Projekt „Leihen-Säen-Ernten-Weitergeben“ (2024 – 2026) schließt die Göttinger Saatgut-Bibliothek (JANUN Göttingen e.V.) die winterliche Anbaulücke. Göttinger Gemeinschaftsgärten erprobten gezielt samenfeste Herbst- und Wintersorten sowie Saatgut von Klimastauden.
Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Herbst- und Wintersorten im Angebot der Saatgut-Bibliothek bisher fehlten. Um diese Lücke zu schließen, wurden die Göttinger Gemeinschaftsgärtner*innen gezielt dabei unterstützt, auch über die Sommersaison hinaus mit samenfestem Saatgut tätig zu sein. In Zusammenarbeit mit Gärten wie dem Begegnungsgarten Holtenser Berg, dem Friedlandgarten oder dem JANUN Garten wurden besonders robuste Sorten wie die Wintererbse „Sima“, der Wintersalat „Roter Butterhäuptl“ oder der Spinat „Quedlinburger Fortschritt“ erprobt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Nachnutzung von Saatgut sogenannter Trockenklimastauden. In Kooperation mit dem Alten Botanischen Garten und der AG Nachhaltigkeit der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek wurde vor der Bibliothek ein Klimastaudenbeet angelegt. Von diesem wurde im Rahmen eines Workshops Saatgut gesammelt und gereinigt, um es als Nahrungsquelle für Wildbienen und Insekten z.B. in den Gemeinschaftsgärten pflanzen zu können.
Durch Workshops, Saatguttauschbörsen und Netzwerktreffen wurde wertvolles Wissen über Pflanzenzucht und die Patentierung von Saatgut, Keimraten und Frostschutz, Saatgutsammeln und -reinigen geteilt. Die Rückmeldungen aus den Gärten bei Projektende ergeben ein differenziertes Bild, erste Gärten konnten gewonnenes Saatgut an die Bibliothek zurückgeben, und mehrere Gemeinschaftsgärten haben ihre „Lieblings-Überwinterungssorte entdeckt“.
Projektbericht (PDF)
Instagram-Account der Göttinger Saatgut-Bibliothek
Die BODENplus -Initiative des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) lädt Bodeninteressierte ein, als Citizen Scientists aktiv zu werden.
Ende Mai fand dazu ein Praxisworkshop im Kiezgarten Schliemannstraße (Berlin) statt. Gemeinschaftsgärtner*innen aus verschiedenen Berliner Gartenprojekten untersuchten und bewerteten unter fachkundiger Anleitung den Kiezgartenboden.
Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Arbeit an zwei Bodenprofilen, die an unterschiedlichen Stellen entnommen wurden. Zentrale Indikatoren wie Bodenstruktur, Artenvielfalt, organische Substanz, pH-Wert und mögliche Schadstoffe wurden direkt vor Ort bewertet – unterstützt durch eine App und Datenbank. Zusätzlich entnommene Bodenproben werden im Labor auf Bodenbiodiversität, Schwermetalle und Nährstoffe untersucht.
Der Workshop vermittelte nicht nur Wissen über die wesentlichen Bodenfunktionen und deren Bedeutung für Mensch und Umwelt, sondern auch praktische Tools, um den eigenen Gartenboden künftig selbstständig zu untersuchen.
Die BODENplus-Initiative ist Botschafterin des EU-geförderten Projekts ECHO, das Bürger*innen in den Schutz und die Wiederherstellung europäischer Böden einbindet. Mit dem Leitsatz „Vom Grund auf Denken. Für gesunde Böden" setzt sich die Initiative für einen stärkeren vorsorgenden Bodenschutz ein.
Foto: Elisabeth Moch / KGG xhain
ECHO Feldprotokolle (PDF)
Info-Blätter Bodenart (PDF)
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