• Systemgrenzen am Beispiel des Waldgartens

    Als letzten Artikel zu Wissenschaftlichkeit möchte ich das Beispiel mit den Systemgrenzen an der Waldgarten-Idee aufzeigen:

    Viel gärtnerisches/Landwirtschaftliches Wissen wird an einem bestimmten Standort gesammelt. Dieser ist - im Gegensatz zu vielen physikalischen oder chemischen Versuchen - nicht das Labor sondern draußen auf dem Feld.
    Da die größten Komponenten Klima, Witterung und Boden sind, sind die Ergebnisse nicht immer von einem Ort zum anderen übertragbar.

    So lassen sich tolle Bücher aus New York (trotz des vielen Schnee liegt New York auf dem Breitengrad von Neapel) nicht gut in Mitteleuropa umsetzen, da wir viel weniger Sonneneinstrahlung haben und somit die Pflanzen langsamer und schlechter wachsen.
    Bücher aus England (weitgehend maritimes Klima) sind noch an der See funktional, im trockenen, kontinentalen Osten nicht so.

    Auch können Bodenbearbeitung der Vorjahre oder das Ausgangsgestein am Standort ein ganz anderes Ergebnis bewirken, als vorher angenommen.

    Deswegen lassen sich manche Ideen gut übertragen aber andere Dinge auch nicht.

    Waldgärten sind in den Tropischen Ländern eine gängige Sache. Sie wurden für die Permakultur zu einem Sinnbild, das es umzusetzen galt.
    Dass unter großen Bäumen mit Nahrung, kleine Bäume mit Nahrung, darunter Sträucher mit Nahrung und darunter Gemüse wächst, funktioniert aber nicht überall auf der Welt.
    In Australien ist das auch möglich, und auch in einigen Subtropischen Gebieten.

    Nördlich der Alpen braucht es niemand versuchen, denn Licht ist begrenzender Faktor und auch Niederschläge sind eher knapp.
    Viele Permakultur-Interessierte werden von der Idee des Waldgartens begeistert und scheitern an der Umsetzung. Oft aus für diese unerklärlichen Gründen.
    Denn es gibt ja Orte, wo es funktioniert - wieso dann nicht "bei uns".

    Weil es bei uns zu finster und zu trocken ist.
    Was wächst im Wald unter den Bäumen? Verstreute Heidelbeeren, dünnes Gras und ab und an bei einer Lücke eine Eberesche oder ein Strauch.

    Aber wer das erkennt, nicht wie es sein sollte, sondern wie es ist, der kann damit arbeiten:
    Wo wächst bei uns das Beerenobst? Am Waldrand und auf Lichtungen.
    Damit lässt sich nicht der Original-PK-Waldgarten aus Australien oder den Tropen bauen, aber ein Waldgarten, der eher ein Lichtungsgarten, Heckengarten oder Waldrandgarten ist.

    Viele "Waldgärten" in Deutschland sind eben solche "Lichtungsgärten". Niemand baut unter der Walnuss Apfelbäume und darunter Himbeeren und darunter Möhren an. Selbst eine zweite Ebene ist bei der Walnuss schwer.
    Aber wir können wie beim Waldrand ineinander greifende Strukturen schaffen, die sich gegenseitig unterstützen. Unter einer licht geschnittenen Apfelkrone können Kartoffeln oder schwarze Johannsibeeren wachsen. natürlich nicht so gut wie in der Sonne und bewässert besser als wenn sie mit dem Baum um das Wasser streiten müssen.
    Aber es funktioniert.

    Deswegen beschränkende Faktoren, Systemgrenzen und Restriktionen beachten und dann das geplante angepasst umsetzen.





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