• Obstbaumschnittformen: Natürlich, Pyramidal, Tellerkrone, Hohlkrone, Trichterkrone, Glockenkrone / "Trauerweide", Oechsberg / "Palmer", Spindel?

    Obstbäume haben einen natürlichen Wuchs, der entsprechend ihrer Art und Sorte und von ihrem Standort abhängig ist. Wenn sie nicht geschnitten werden, können sie gut wachsen, wenn sie glücklich sind, werden sie abhängig von der Unterlage verschiedene Alter erreichen (je stärker desto länger leben sie).
    Wenn sie unglücklich sind (falsche Witterung, schlechter Boden, Wassermangel), springen sie direkt in die Altersphase, bringen viele Früchte, die schnell kleiner werden und sterben dann ider vegetieren vor sich hin.
    Dieses natürliche Vergreisen kann mit Schnitt unterbunden werden.

    Verschiedene Schnittformen haben verschiedene Vor- und Nachteile für verschiedene Verwendungen:

    Natürlich
    Ein Baum muss nicht gezielt aufgebaut werden. Die Schnittformen sind für die einfachere Handhabung durch den Menschen. Ein normal gewachsener Baum kann dann später mit Beachtung der "Wuchsgesetze" (siehe "Grundlagen des Obstgehölzschnittes" weiter unten) in einem guten Ertragszustand gehalten werden, ohne seine natürliche Form aufzugeben. Oft ist das auf alten Streuobstwiesen zu sehen.

    Pyramidal - gut für Hochstämme, Weiterentwicklungen auch für andere Bäume
    Der Pyramidale Schnitt zeichnet sich durch eine Starke Mitte aus, der alles andere untergeordnet wird. Leitäste dürfen keine Konkurrenz sein und sind zu Anfang deutlich schwächer als die Mitte (Faustregel keinen Ast zulassen, der 50 % so dick ist wie der Haupttrieb oder diese entsprechend bremsen). Es wird immer ein Astkranz aus 3 - 5 Ästen in verschiedene Richtungen aufgebaut, dann 1 m oder meist mehr Abstand gehalten und dann ein weiterer Astkranz aufgebaut, der den unteren nicht überragt, so dass alle Früchte gut Sonne bekommen. Im astkranz haben die Äste eine Scherenlänge abstand zu einander, damit sie den mitteltrieb nicht bremsen. Der Baum ist wie eine Pyramide aufgebaut und strebt in die Höhe. Diese Form ist der natürlichen Wuchsform am nächsten, da diese auch zu Astkränzen neigt. Oft verwächst sich der pyramidale Schnitt ab einer bestimmten Größe oder wenn die Pflege fehlt. Die Fruchtqualität ist anfangs gut, wechselt aber schnell zu "Mostobst".

    Oechsbergschnitt / "Palmerschnitt"
    Der in der Schweiz entwickelte Schnitt für kleiner bleibende Bäume wurde von Herrn Palmer nach Deutschland gebracht und wird deshalb manchmal so bezeichnet.
    Die Idee ist einen Baum möglichst klein zu halten, indem die dominante Spitze durch starke Leitäste gebremst wird.
    Dazu werden dem Spitzentrieb in seiner Dicke ähnliche Treibe zu Seitenästen aufgebaut und gefördert. Es sind nur 5 Seitenäste, die sich in 30 - 80 cm Abstand zu einander um den Stamm verteilen. Regelmäßiger Schnitt an den Leitästen hält das Fruchtholz frisch.
    Diese Schnittform bremst den Wuchs und der baum bleibt klein. Bei jedem Seitentribe ist eine merkliche Reduktion des Mitteltriebes sichtbar. Letztendlich wird dieser dann regelmäßig gekürzt.
    Dieser Schnitt eignet sich für Bäume, die nicht mit der Leiter beerntet werden, da sie viel geschnitten werden müssen. Durch den ständigen Schnitt ist die Fruchtqualität hoch.
    Insgesamt ist der Oechbergschnitt / "Palmerschnitt" schwierig und nicht zu empfehlen, weil die Weiterentwicklungen einfacher zu handhaben sind. Dennoch erfreut er sich gerade einer gewissen Mode wie die Hohlkrone in den 1980ern.

    Spindelschnitt
    Der Spindelschnitt kombiniert Pyramidal und Oechsberg mit weiteren Eigenschaften. Optimal für kleine und schwach wachsende Bäume. Die Grundidee ist den Baum klein zu halten und gleichzeitig hohe stabile Fruchtqualität durch Schnitt und Stammnähe zu bekommen. An stammnahen Ästen sind die Früchte besserer Qualität als weit weg davon.
    Die Grundform ist recht einfach. Wie beim Pyramidalen Schnitt wird der erste Astkranz beibehalten, aber die Astansätze sind dick und dicht bei einander, damit sie den Wuchs des Haupttriebes wie beim Oechsbergschnitt bremsen. Die Äste werden oft in flachem Winkel gezogen, damit sie Basis der Fotosynthese sind, aber nicht starken Wuchs entwickeln. Darüber wird je nach Form 30 - 50 cm Platz gelassen, damit keine Äste diesen Astkranz beschatten. Darüber werden Äste zugelassen, die Früchte ansetzen, aber nach dem Erntejahr wieder auf Stummel zurück geschnitten werden. So gibt es immer Jungholz mit den besten Früchten dicht am Stamm. Die Spitze wird immer wieder auf einen möglichst schwachen Treibe zurück gesetzt.

    Hohlkrone
    Der Hohlkronenschnitt ist der aufwendigste und eigentlich nur für Sauerkirschen und einige Pflaumen geeignet. Bei der Hohlkrone darf es keine starke Mitte geben. Bäume mit starker Mitte lassen sich nurt mit viel Aufwand in der Hohlkrone halten.
    Die Grundform ist speziell. Aus der Entfernung sieht die Krone normal aus, bei näherer Betrachtung fehlt die Mitte. Bei der Hohlkrone wird die Mitte entfernt und aus mehreren gleichberechtigten Seitentrieben eine Krone aufgebaut, in der ein großer Hohlraum liegt. Ohne die Mitte und mit den gleichwertigen Haupttrieben, wächst der Baum langsamer. Das schwierige daran ist, dass der Baum eine geschlossene Krone bekommt und nicht eine Trichterkrone aus mehreren kleinen Kronen auf jedem Leitast.
    Hohlkronen sind für Hochstämme und auch kleinwüchsigere Bäume geeignet. Bei Hochstämmen vorzugsweise bei Sorten, die das unterstützen, sonst ist der Schnittaufwand immens.

    Tellerkrone
    Die Tellerkrone ist eine flache Pyramidale Krone für Hochstämme und Halbstämme.
    Es wird nur der untere Astkranz belassen und dieser breit aufgebaut, allerdings sollte der Astwinkel 30° über der Horizontalen betragen, da die Äste sonst später bei Fruchtlast abbrechen können.
    Damit dieser Schnitt nicht in unzählige Schosser ausartet, wird eine dünne aber hohe Mitte zugelassen, die regelmäßig zurück gesetzt wird. Sie sollte die übrigen Äste um 50 - 200 cm überragen.
    Tellerkronen ergeben ein schönes Dach und lassen sich mit der kurzen Leiter schneiden und ernten.
    Wenn der untere Astkranz wie bei der Spindel dich bei einander liegt, lässt sich so der Wuchs reduzieren.
    Sie lassen sich nachträglich aus Pyramidalen Kronen erzeugen, wenn der/die Erntende nicht auf eine hohe Leiter klettern, aber den Schatten nicht einbüßen will.

    Trichterkrone
    Die bereits erwähnte Trichterkrone ist eine fehlerhafte Hohlkrone. Die Sorte hat eine zu starke Mitte oder es wurde keine gemeinsame Krone aufgebaut. Statt dessen gibt es eine eignene Krone auf jedem Leitast. Das erhöht den Schnittaufwand erheblich ohne viel zuwachs an Fruchtqualität oder - zahl.
    Viele Trichterkronen sind auf eine Modewelle für Hohlkronen in den 1980ern und einige Zeit danach zurück zu führen. Damals wurde aus normalen pyramidalen Schnittformen einfach die Spitze entfernt, um eine Hohlkrone zu erzeugen, die nötige Nachpflege wurde aber nicht vorgenommen.

    Glockenkrone / "Trauerweide"
    Wenn ein Baum trägt, ziehen seine Früchte die Äste nach unten. Wenn er ohne Schnitt vergreist, werden seine Äste diese Form behalten und wie eine Trauerweide aussehen. Durch unzureichenden Schnitt behält er diese Form.
    Alternativ kann es auch sein, dass der Besitzer die Äste "nach unten" gebunden hat, um den Wuchs zu reduzieren und den Fruchtansatz zu erhöhen, ohne zu wissen, dass "Herunterbinden" fachlich gesehen auf der Horizontalen endet.
    Glockenformen haben schlechte Fruchtqualitäten, da an hängenden Trieben die Früchte schlecht versorgt werden.
    Gezielter Schnitt kann sie beheben.
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