Discussions

Verändern sich die Pflanzen, wenn ich aus ihnen jedesmal wieder neue Samen ziehe?
Gelöst Gesperrt Unbeantwortet
Mein Gedanke ist, jedesmal aus den Pflanzen wieder ein paar Samen zu gewinnen fürs nächste Jahr. Jetzt habe ich gehört, dass ich da aufpassen muss, weil sich die Pflanzen verändern. Speziell Zucchini können wieder ihre giftigen Anteile entwickeln (ich erinnere mich an eine geschenkte Riesenzucchini, die wir - ungetestet - zu einem schönen Auflauf verarbeitet hatten und dann schon der erste Happen seltsam metallisch schmeckte, absolut ungenießbar, eine Rückfrage bei der Spenderin ergab, dass das passieren kann bei "Gartenzucchini"). Gut, ich teste jetzt halt vorher den Geschmack und dann kommt die Pflanze eben auf den Kompost.

1. kann ich sowas vermeiden?
2. passiert das auch bei anderen Gemüsesorten?


  • Gefällt
    Gefällt
    Glücklich
    Liebe
    Sauer
    Wow
    Traurig
0
0
0
0
0
0

Teilnehmer

Antworten (3)
Noch keine Antworten zu diesem Beitrag
  1. vor 1 Woche
Akzeptierte Antwort
Hier hab ich ein Video gesehen, mit einer schönen Aufstellung der Kürbisarten in einer Tabelle, sonst die Infos von Eike und einer praktischen Anleitung, wie die Kürbiskerne zu Saatgut werden können:

  • Gefällt
    Gefällt
    Glücklich
    Liebe
    Sauer
    Wow
    Traurig
0
0
0
0
0
0
  1. vor 3 Monaten
Akzeptierte Antwort
Was natürlich auch zu abweichenden Nachkommen führen kann, sind 2 andere Sachen, die aber selten problematisch sind:

1. Zufallsmutationen. Passiert immer wieder. Die meisten sind unsichtbar, einige beeinflussen das Aussehen oder andere Eigenschaften. Man kann damit dann evtl eine neue Sorte züchten.

2. Das Auftauchen rezessiver Eigenschaften, so wie blaue Augen bei Menschen. Am bekanntesten bei Mendels Erbsen, wo die (vielen) gelbkernigen Individuen auch grünkernige Nachkommen haben können, aber die (wenigen) grünkernigen Individuen nie gelbkernige.
Das ist bei eigentlich eher unerwünscht, außer bei polymorphen Sorten wie der "Steirischen Käferbohne" mit ihren verschiedenfarbigen Kernen. Aber es kann ein Hinweis auf Verkreuzung sein, dh dass man das Saatgut testen sollte bevor man es weitergibt.
  • Gefällt
    Gefällt
    Glücklich
    Liebe
    Sauer
    Wow
    Traurig
  1. vor 3 Monaten
Akzeptierte Antwort
Prinzipiell haben wir es hier mit 2 unterschiedlichen Prozessen zu tun:
1.
Unerwünschte Verkreuzung. Da sind die Zucchini das bekannteste Beispiel. Aber außer diesen sind alle Sorten des Gartenkürbis (Cucurbita pepo) betroffen, also auch Halloweenkürbis, Eichelkürbis, Gorgonzolakürbis, etc. Die Zierkürbisse gehören nämlich ebenfalls zur Art Cucurbita pepo, deren Wildform giftig ist, und viele Zierkürbisse sind ebenfalls noch giftig (weil sie nie als Nahrung gezüchtet wurden, und die ungiftigen Mutanten, die in der Natur immer wieder entstehen und wieder verschwinden, nie gezielt ausgewählt wurden).
Wenn sich also Zucchinis oder sonstige essbare C.pepo-Sorten mit Zierkürbissen kreuzen, werden die Nachkommen in der Regel wieder giftig - der Wildtyp setzt sich durch. Und wenn das zufällig ein langer Zierkürbis war, dann sieht man es den Früchten auch nicht unbedingt an. Die Zierkürbisse können auch im Nachbarsgarten stehen; 10 Meter Abstand sind nicht sicher ausreichend, wenn man da nicht noch andere Kürbisgewächse anbaut. Daher ist zB in Schreber- und Gemeinschaftsgärten die Vermehrung von Kürbisgewächsen in der Regel problematisch oder sogar unmöglich.
Normalerweise kreuzen sich nur die Sorten derselben Art untereinander. ZB sind Hokkaidokürbisse nicht von dem Gift-Problem betroffen, da sie zum Riesenkürbis (Cucurbita maxima) gehören. Dessen Wildform ist zwar auch leicht giftig (wie fast alle wilden Kürbisgewächse), aber wird nicht angebaut. Und die Kürbis-Arten kreuzen sich untereinander nicht. Das heißt, man kann 4 oder sogar 5 Sorten Kürbisse/Zucchinis verkreuzungsfrei direkt nebeneinander anbauen (Gartenkürbis, Riesenkürbis, Muskatkürbis, Feigenblattkürbis, und - falls man den bekommt - auch noch Cushaw-Kürbis).
Bei Lupinen ist es genauso, man kann 3 Sorten Süßlupinen (Weiße, Blaue und Tarwi) nebeneinander anbauen, und hat immer gutes Saatgut.
Allerdings gibt es einige Pflanzen, bei denen sich sogar unterschiedliche Arten kreuzen. Am berüchtigsten sind Kohl-Arten; der Raps ist zB eine Hybride zwischen dem europäischen (Rot/Weißkohl, Wirsing, Broccoli/Blumenkohl, etc) und dem eurasischen Kohl (Chinakohl, Pak Choi etc) entstanden. Auch die superscharfen Chili-Sorten sind meistens eine Kreuzung aus Piri-Piri und Habanero.
Generell sollte man Sorten derselben Art nicht, und Arten derselben Gattung nur unter Vorbehalt nebeneinander pflanzen, wenn man Saatgut gewinnen will.
Besonders aufpassen muss man bei Mangold/Rote Bete (dieselbe Art, und Windbestäuber - die Pollen können hunderte Meter weit fliegen) Radicchio/Chicoree und Wegwarte (die Wildform, die oft in "Bienenweide"-Mischungen enthalten ist), sowie wilden und kultivierten Karotten (dasselbe Problem wie bei Radicchio).
Bei Kohl gehe ich so vor, dass ich die Mutterpflanzen im Herbst in Töpfe setze - sie blühen im nächsten Jahr, und dann kann ich die Töpfe so aufstellen, dass in der Nähe keine kreuzungsgefährdete Sorte blüht. Bei Mangold/Rote Bete ist das schwieriger, da sie eine Pfahlwurzel bilden und deshalb nach dem Verpflanzen nur schlecht anwachsen - wenn man sie nach der Schneeschmelze umpflanzt, wenn der Boden noch richtig feucht ist, geht das aber meistens. Man will ja keinen Ertrag, sondern nur das Saatgut.

2.
"Genetische Erosion" durch Inzucht. Da jede Sorte aus einer Inzuchtpopulation hervorgeht, ist die genetische Diversität ohnehin schon reduziert. Das ist nicht allzu schlimm, denn was man reduziert, sind nur die sichtbaren Teile der genetischen Diversität - die Blütenfarbe, die Größe, die Zeit bis zur Reife, etc, die bei den wilden Vorfahren noch eine größere Bandbreite haben. Die unsichtbare genetische Diversität, zB Resistenzen gegen Krankheiten, muss dadurch nicht zwangsläufig reduziert werden.
Wenn man nun aber zur Vermehrung nur wenige Pflanzen verwendet, geht mit jeder Generation mehr und mehr der genetischen Diversität verloren, und das lässt sich nicht umkehren. Das Resultat: die Pflanzen werden immer kümmerlicher und anfälliger.
Als Faustregel sollte man bei der Sortenvermehrung nicht weniger als 6 Pflanzen blühen lassen, am besten 10-20. Und man sollte so lange wie möglich etwas Originalsaatgut behalten, und jedes Jahr davon einen Teil mit den selbstvermehrten Pflanzen kreuzen.
Es gibt natürlich auch Pflanzen, die sich ausschließlich oder vorwiegend selbst bestäuben - Gartenbohnen und Tomaten sind die bekanntesten. Da kann man nicht mehr machen, als entweder manuell zu kreuzen (meistens kompliziert), oder 2 oder mehr Pflanzen derselben Sorte direkt nebeneinanderstellen, und auf eine zufällige Fremdbestäubung zu hoffen. Und natürlich das Saatgut mit dem Sortennamen versehen und so weitergeben. Bei solchen Pflanzen entscheidet primär die Populationsgröße, ob eine Sorte erhalten bleibt, oder der Inzucht zum Opfer fällt.
  • Gefällt
    Gefällt
    Glücklich
    Liebe
    Sauer
    Wow
    Traurig
Fehler beim Laden das Tooltip.