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Düngen mit Kompost, ja!!! Aber wieviel???
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Die Sonne scheint, die Temperaturen bleiben endlich über 10° und die Gartensaison geht los - juhu!!!
Wahrscheinlich sind viele von euch gerade (immer noch) dabei verschiedenstes Samen in die Erde zu stecken und Setzlinge zu machen, die dann später in eure Beete und Töpfe kommen.
Weil Pflanzzeit = Kompostzeit, hier ein paar Tips für euch:

So Pi mal Daumen solltet ihr etwa 1 bis 3 Liter Kompost pro Quadratmeter (m2) auf eure Beete geben.

Mehr Kompost, also eher 3 Liter pro Quadratmeter bei Pflanzen, die mehr Nährstoffe brauchen (die heißen "Starkzehrer").
So mittel-viel Kompost, also eher 2 Liter pro Quadratmeter bei Pflanzen, die weniger Nährstoffe brauchen (die heißen auch "Mittelzehrer").
Und weniger Kompost, also eher 1 Liter pro Quadratmeter bei Pflanzen die weniger Nährstoffe brauchen (die heißen auch "Schwachzehrer").

Zu den Starkzehrern gehören z.B. Aubergine, Tomaten, Artischocke, Gurke, Lauch/Porree, Rhabarber, Paprika, Melone, Kohl, Kartoffeln, Sellerie, oder Zuckermais.

Zu den Mittelzehrern gehören z.B. Mangold, Feldsalat, Rote Bete, Salat, Fenchel, Kohlrabi, Spinat, Zwiebeln, oder Möhren.

Zu den Schwachzehrern gehören z.B. Kräuter, Knoblauch, Portulak, Feldsalat, Radieschen, oder Rukola.

Auch Erbsen, Ackerbohnen und Bohnen brauchen nur wenig Nährstoffe und reichern den Boden sogar mit dem Nährstoff Stickstoff an, weil sie sich diesen aus der Luft holen und in Pflanzen- und Wurzelmaterial einbauen, was so dann in die Beete kommt.

Wie kann die Düngung aussehen? Was gibt es zu tun?
(1) Erst schätzt ihr wie groß euer Beet ist in m2.
(2) Dann überlegt ihr was ihr anbauen wollt und entscheidet, ob ihr 1, 2 oder 3 Liter Kompost pro m2 geben wollt.
(3) Dann schätzt ihr auch die Menge Kompost in Liter, die ihr insgesamt braucht.
(4) Ungefähr diese Menge könnt ihr dann durch ein Sieb geben. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten (kaufen, selber bauen) und Feinheiten (eher grob, ganz fein). Die Idee dahinter: keine großen Stücke im Beet, die unschön anzusehen sind und eigentlich noch weiter verkompostieren können. Was also im Sieb hängenbleibt, schmeißt ihr zurück auf den Kompost.
(5) Dann bringt ihr den Kompost zum Beet. Achtung - 10 Liter können gut 20 kg wiegen. Also vielleicht lieber 2 Eimer mit je 5 Litern in die recht und linke Hand verteilen, besser für Knie und Rücken.
(6) Dann schüttet ihr den aufs Beet und verteilt es so gleichmäßig wie möglich (und ihr es wollt).
(7) Dann empfiehlt sich, dass ihr den Kompost leicht in den Boden einarbeitet, so etwa 2 bis 10 cm. Dann kann der Wind die edlen Stückchen nicht einfach wegwehen.
...
(8) Ab 2-3 Tage später könnt ihr pflanzen.
...
(9) Einige Pflanzen, vor allem die Stark- und Mittelzehrer werden aus eurem Kompost wahrscheinlich genug Phosphor bekommen. Aber es wird ihnen nicht genug Stickstofff und vielleicht auch Kalium zur Verfügung stehen. Das ist ein Klassiker. Dann könnt ihr nochmal was zu düngen. Am Besten dann, wenn die Pflanzen am meisten wachsen, so 2 bis 6 Wochen nach Pflanzung, je nach Art. Für die zusätzliche Düngung könnt ihr z.B. Guano-Dünger nehmen, oder Schafswollpellets, oder auch Urin. Hornspäne wird auch oft empfohlen, aber ich persönlich mag keine Abfälle aus Tierfabriken in meinem Beet haben.
...
(10) Ernten und Erntereste kompostieren... der Kreislauf beginnt von vorne.


Und jetzt will ich dazu noch was vorrechnen...
Nehmen wir das Beispiel Tomatenbeet. Hier gebt ihr also etwa 3 Liter Kompost zu. Das heißt, etwa 3.000 Kubikzentimeter.
Dies verteilen wir nun auf 1 Quadratmeter, was 10.000 Quadratzentimetern entspricht. Das heißt auf jeden Quadratzentimeter kommt nur 0,3 Kubikzentimeter Kompost. Das heißt, wenn der Kompost auf dem Beet verteilt ist, ist die Schicht nur 0,3 cm hoch, also 3 Millimeter. Das ist nicht viel. Also wundert euch nicht!
Gebt aber auch nicht einfach mehr drauf, weil "viel hilft viel" gilt oft nicht... Wenn ihr zu viel Nährstoffe in die Beete bringt, die eure Pflanzen dann gar nicht aufnehmen können, dann werden die bei Regen nur ausgewaschen und sind (aus eurem Beet) weg.


Viel Spaß im Garten!!!


Quellen, u.a.:
https://www.kompost.de/fileadmin/docs/kompostportal/6034_hobbygarten.pdf
https://www.dlr.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/se_quick/56FA58A2E1C6F2C3C1256FD40036C33A?OpenDocument
https://www.bzfe.de/was-wir-essen-blog/blog-archiv/blog-archiv-2016/april-2016/kompost/
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  1. vor 1 Monat
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Danke dir, Werner, für die wichtige Frage.
Die Antwort: es kommt darauf an ;-)

Fall (1) Dein Beet ist relative klein, sagen wir mal 2-5 Quadratmeter. Dann kannst du ruhig durcheinander pflanzen und den Kompost "durchschnittlich" dosieren. Also du schätzt was du ungefähr auf welcher Fläche anbaust.
Ein Rechen-Beispiel: ich pflanze z.B. auf ca. 50% der Fläche Tomate, auf 30% Salat und auf 20% Radieschen, dann gebe ich ca. 2 bis 2,5 Liter Kompost (0,5*3+0,3*2+0,2*1=2,3) in mein Beet und verteile das gleichmäßig. Da das Beet klein ist, werden die Pflänzchen mit ihren Wurzeln den Kompost gut erreichen und untereinander "verteilen".

Fall (2) Deine Beete sind eher größer, 10 m2 oder größer, sogar 100 m2 und mehr. Dann kannst du die Pflanzen ruhig "poolen", also ähnliche Stark- Mittel- und Schwachzehrer in einer Art Gruppe zusammen pflanzen und davor die entsprechende Menge Kompost geben. So machen es bspw. auch kleine Gemüsebauer:innen.

Letzter Fall ist dann quasi auch schon eine Vorbereitung für die Fruchtfolge. Also einem Ansatz, bei dem wir jährlich wechseln, wo wir was anbauen. Oft ist die Reihenfolge der Pflanzung auf einem bestimmten Stück Beet: 1) Starkzehrer, 2) Mittelzehrer, 3) Schwachzehrer, 4) ruhe Jahr mit Gründünung.
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  1. vor 1 Monat
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Danke Ari, super Anleitung!

Eine Frage dazu:
wenn ich in einem Beet Stark- und Schwachzehrer mische, ist das besser, sie näher zueinander zu setzen, oder einen stark und einen schwach-Bereich zu machen und dann dort unterschiedlich viel Kompost?
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