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Kacke und Urin sind unendlich da & unendlich gut.
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Guten Morgen!

Nachdem ich einige Wochen ein paar Grundlagen zusammengetragen habe, will ich heute zusammenfassen, welchen ökologischen Nutzen Kompostklos (und Kompostierung im Allgemeinen) haben. Kleine Wiederholung: Kompostklo = Klo, in dem Fäkalien ohne Wasser "recycelt"/kompostiert werden.

Close the loop - den Kreislauf schließen. Fäkalien sind Wertstoffe für Landwirtschaft und Garten, denn sie enthalten viele Nährstoffe!! In Urin sind 80 % unserer ausgeschiedenen Nährstoffe (u.A. 3-7 g Stickstoff pro Liter Urin, sowie die Makronährstoffe Phosphor und Kalium; und Weitere). In der Fäzes findet sich ein beachtlicher Teil Phosphor sowie der Hauptanteil des Kohlenstoffs unserer Ausscheidungen (vgl. Factsheets Urin & Fäzes - https://kante.info/download-bereich/fuer-oekoklos/). Woher kommen all diese Nährstoffe? Die Nährstoffe haben wir vorher mit der Nahrung zu uns genommen (einen Teil dafür nutzen wir zum Aufbau von Körpermasse, zur Energiegewinnung und für alle möglichen Prozesse im Körper. Einen Teil scheiden wir aus). Unsere Nahrung stand in ihrem aller-ersten Leben als Pflanze auf einem Acker und hat dem Boden (und der Luft (Stickstoff)) genau diese Nährstoffe entzogen. Das heißt, wir scheiden das aus, was vorher aus einem Boden genommen wurde - und was für erneuten Anbau gebraucht wird! In der Tierhaltung wird das längst anerkannt, wenn Gülle und Mist auf Feldern ausgebracht werden (auch wenn es hier den Landwirt*innen unter Anderem um die Entsorgung der riesigen Mengen von Tierfäkalien geht, was auch erhebliche Probleme - ethische Fragen Tier und Mensch betreffend, und Umweltprobleme beim Gülleausbringen, wie zum Beispiel Nitratauswaschungen - nach sich zieht). Das Problem der aktuellen Situation: die Nährstoffe in menschlichen Fäkalien kommen eben nicht Alle zurück aufs Feld; große Kläranlagen verbrennen Klärschlamm und ein Teil der Nährstoffe aus der Abwasserrreinigung landet immernoch in den Weltmeeren (bei schlechter oder keiner Reinigung) und sorgt für "Überdüngung" von Gewässern. Düngemittel braucht die Landwirtschaft trotzdem - und so wird Phosphat als Phosphorit im Bergbau abgebaut; in nordafrikanischen Ländern wie Tunesien, MarokkoSowie in China und den USA. Doch Bergbau ist ein harter Eingriff in Ökosysteme und Phosphor ist eine endliche Ressource - wir steuern auf Peak Phosphor zu (https://de.wikipedia.org/wiki/Peak_Phosphor). Das heißt: auch hier müssen "Erneuerbare" her - und ein riesiges Vorkommen sind dabei (menschliche) Fäkalien (nachdem die natürliche Ressource "Guano" - Vogel- & Fledermauskot - bereits weitgehend ausgebeutet ist). Synthetischer Stickstoffdünger bringt ein anderes Problem mit sich. Er wird unter großem Energieeinsatz aus Luftstickstoff hergestellt; die Ausgangsressource wird also nicht knapp werden (78 % der Luft), aber die Energie, die wir brauchen, um diesen Dünger herzustellen, wird knapper und geht mit Umweltzerstörung einher. Auch hier müssen andere Lösungen her.

Zusammengefasst: Kompostierung und Verwertung von Fäkalien hilft, Nährstoff-Kreisläufe (lokal) zu schließen. Kacke und Urin sind unendliche Ressourcen! Dazu kommt: Kompost ist ein extrem guter Bodenverbesserer! Es gäbe noch viel mehr zu sagen, über Kohlenstoff im Boden, über Erosion (ein weiteres ganz ganz erhebliches globales Problem in der Landwirtschaft) über die weltweite Klo-Situation - aber das kommt dann ein anderes Mal.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende,
Lisa
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  1. vor 2 Wochen
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Vielen Dank, Lisa! Gut zu wissen
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  1. vor 2 Wochen
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... ein paar weitere Facts zu Urin und zu den ungefähren Mengen für den Anbau.

1 l Urin liefert ungefähr so viel Stickstoff, Schwefel, Phosphor und einen Teil des Kaliums, um 1 kg Gemüse/essbare Pflanzen wachsen zu lassen (inkl. Ernterückstände und Abfälle 2 -3 kg). Diese Menge von Urin enthält 6 g Stickstoff, 1 g Phosphor, 2 g Kalium, 0,3 g Magnesium und andere essentielle Spurennährstoffe. Er ergänzt ziemlich gut einen mit Kompost gedüngten Boden. (Kacke-)Kompost mit viel Humus (Kohlenstoff) dafür sorgt, dass der Boden stabil, durchlüftet und Nährstoffe adsorbierend ist. Er setzt seine Nährstoffe peu à peu frei, während die des Urins schnell verfügbar sind. Der Kompost wirkt als organischer Dünger, der Urin wirkt eher wie ein mineralischer Dünger.

Zusammenfassend gilt ungefähr: 1 kg Nettoernte benötigt 1 l Urin & 1 l Kompost, dazu 50 - 100 l Wasser und natürlich Licht, Wärme und Zeit.

Diese Zahlen und Inhalte basieren auf Angaben aus dem Buch "Urin - flüssiges Gold für den Garten" von Renaud de Looze.

Natürlich gilt auch weiterhin, bei der Düngung mit Fäkalien die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten - dazu habe ich schon mehr geschrieben. In aller Kürze: Urin sollte einige Zeit in einem geschlossenen Behälter gelagert werden und zur zusätzlichen Sicherheit ein paar Wochen vor der Ernte gedüngt werden. Die Verwendung von Fäzes im Kompost erfordert eine kontrollierte Kompostierung über 2 Jahre.

Seid gegrüßt!
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