Das Netzwerk Urbane Gärten Berlin ist eine selbstorganisierte Plattform von Gartenaktivist*innen aus über 50 Berliner Gemeinschaftsgärten. Die Netzwerker*innen informieren und beraten einander, organisieren Veranstaltungen und leisten politische Arbeit. Das Netzwerk ist eine wichtige Stimme und Interessensvertretung gegenüber Politik und Verwaltung.
Vernetzung von Berliner Gemeinschaftsgärten gibt es schon seit mehr als 30 Jahren. Immer waren die Themen und Aktivitäten eng geknüpft an einzelne initiative Gärten und Personen und oft ausgelöst durch konkrete Anlässe, wie z.B. politische Positionierung, drohende Räumung, die Gründung neuer Gärten, Forschungsprojekte oder besonderes öffentliches Interesse. Eines ist allen Phasen gemein: Persönliche Begegnung, Beziehung und Austausch sowie gemeinsame Visionen und Aktionen. Sie sind das A und O für lebendige Vernetzung.
Inzwischen gibt es einen Gemeinschaftsgarten-Ansprechpartner beim Senat, das Berliner Gemeinschaftsgarten-Programm und eine formulierte Vision für die Essbare Stadt Berlin - Meilensteine, an denen das Netzwerk maßgeblich mitgewirkt hat.
2025 hat eine Gruppe aus dem Netzwerk eine Werkstattreihe zum Thema Berliner Verwaltung verstehen, Planungsrecht für Gemeinschaftsgärten organisiert. Das Netzwerk ist Genossin in der Andersmachen eG und wird im nächsten Jahr einen Raum im „Haus der Statistik“ in Berlins Mitte beziehen. Der Raum dient der Vernetzung aller Gärten und wird gemeinschaftlich betrieben werden.
Im Feature „Darum brauchen wir Gemeinschaftsgärten in Berlin“ beim Sender ALEX Berlin zeigt Geografin, Gartenaktivistin und Netzwerkerin der ersten Stunde Kerstin Stelmacher auf, warum Städte urbane Gemeinschaftsgärten brauchen. Sie sind nicht nur grüne, selbst gestaltete Orte und soziale Begegnungsräume, leisten Beiträge zu Biodiversität, Klimaschutz und Umweltgerechtigkeit. Gemeinschaftsgärten zeigen, wie im Kleinen Lösungen für aktuelle Probleme unserer Städte gemeinsam gefunden und Selbstwirksamkeit erfahren werden kann.
Website des Netzwerks Urbane Gärten Berlin
Zum Feature bei ALEX Berlin und Blogbeitrag
Mit der mobilen Heilkräuterapotheke HEKAYAT besucht Flamingo e.V. Unterkünfte für geflüchtete Menschen, um gemeinsam Heilkräuterprodukte herzustellen und Wissen über Heilpflanzen, Gärten und traditionelle Erfahrungen auszutauschen. Diesmal war das Team im Interkulturellen Gemeinschaftsgarten Biesenthal zu Gast. Gemeinsam mit Erwachsenen und Kindern wurden Kräuter gesammelt und verarbeitet, unter anderem zu Butter mit frischen Gartenkräutern. Im Mittelpunkt standen der Austausch von Heilpflanzenwissen und persönliche Geschichten. Besonders bereichernd war das Kennenlernen der Pflanze „Shahi“, deren Samen ein Ehepaar aus dem Iran mitgebracht hatte. Auch traditionelle Methoden der Butterherstellung aus Afghanistan wurden vorgestellt. Die Begegnung war geprägt von gegenseitigem Lernen, Offenheit und Wertschätzung. Zum Abschied schenkten die Teilnehmenden dem Team frischen Salat und Frühlingszwiebeln aus dem Gemeinschaftsgarten – eine herzliche Geste, die den Tag abrundete.
Lea Nassim Tajbakhsh von Flamingo:„Mich hat besonders berührt, wie selbstverständlich Wissen über Heilpflanzen und Traditionen miteinander geteilt wurde. Die Offenheit, mit der persönliche Geschichten erzählt und Erfahrungen ausgetauscht wurden, hat einmal mehr gezeigt, wie verbindend gemeinsames Gärtnern und Arbeiten sein kann.“
Artikel zum Interkulturellen Gemeinschaftsgarten Biesenthal
Kurzportrait des Gartens mit Kontaktmöglichkeit
Am 20. Juni feierte der Freiburger Gemeinschaftsgarten „zusammen gärtnern“ sein zehnjähriges Bestehen. Was 2016 auf einer ehemaligen Pferdeweide begann, hat sich zu einem lebendiger Lern- und Begegnungsort entwickelt. Rund 350 Menschen aus 16 Ländern sind Teil der Gartengemeinschaft. Sei es als Beetpat*in, der regelmäßigen Teilnahme am offenen Gartentag oder punktuell bei Workshops und Aktionstagen. Die 3.500 m² große Fläche bietet individuelle Beete, einen großen gemeinschaftlich bewirtschafteten Bereich mit Sandkiste für Kinder, Hängemattenzone, Komposttoilette und Feuerstelle, sowie einen Inklusionsbereich, in dem junge Menschen mit Behinderung gärtnerisch arbeiten und praktische Erfahrungen im ökologischen Gärtnern sammeln können. Der Garten ist barrierearm, nicht abgeschlossen und das Mitmachen ist immer kostenfrei.
Im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Tun und der inklusive Ansatz. Ob Menschen mit Behinderungen, Migrationshintergrund, wenig Einkommen, Sehnsucht nach Gemeinschaft, Familien mit Kindern und ältere Menschen – hier findet jede*r einen Platz. Der Garten verbindet ökologischen Anbau mit sozialer Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Teilhabe.
Gemeinschaft entsteht vor allem durch das gemeinsame Tun – durch Gärtnern, Bauen, Lernen, aber auch durch gemeinsames Kochen, Essen und Feste oder Workshops. Diese Mischung aus praktischer Arbeit und sozialem Miteinander ist zentral.
Über 250 Gäste besuchten das Jubiläumsfest. Das Programm reichte von Afrofunk und brasilianischen Tänzen über kreative Mitmachangebote wie Sonnendruck und Naturkunst bis hin zu einem vielfältigen kulinarischen Angebot mit Pizza aus dem Holzofen, kurdischer Feuerpfanne, Salatbuffet und selbstgebackenen Kuchen.
Das Jubiläum machte einmal mehr deutlich, welche Bedeutung Gemeinschaftsgärten als offene Begegnungsräume haben. Sie schaffen Möglichkeiten zur Mitgestaltung, fördern Selbstwirksamkeit und zeigen, dass Vielfalt, Teilhabe und solidarisches Zusammenleben ganz konkret vor Ort gelebt werden können.
Mitte Juni trafen sich 120 Gemeinschaftsgartenbegeisterte aus 64 Gartenprojekten in 30 Städten zum Urban-Gardening-Sommercamp. Das Sommercamp-Team des „Netzwerk Leipziger Gemeinschaftsgärten (NELGE) hatte im Hildegarten und im Obstgarten beste Bedingungen geschaffen.
Auf den beiden Flächen gab es viel Platz für Praxisworkshops, Projektvorstellungen, Vorträge, gegenseitige Beratung, Austausch und Vernetzung. Auf der großen Obstbaumwiese konnte gezeltet werden. Erstmalig gab es Kinderbetreuung bei einem Sommercamp.
NELGE Mitglieder informierten bei Führungen über den Bürgerbahnhof Plagwitz und den Hildegarten.
22 Workshops wurden angeboten, inhaltlich ging es dabei u.a. um Mycel im Garten, Kompostmethoden, Malen mit Naturfarben, Gemeinschaftsgärten in Kleingartenvereinen, aktuelle Forschungen zur Urban-Gardening-Szene, Bewässerungsmöglichkeiten, Waldgarten- und Bodenaufbau, die solidarische Heilkräuterapotheke HEKAYAT, Obstbäume, Bienen, Dragon Dreaming, einen inklusiven und interkulturellen Garten, Gemeinschaftsgärten in Grenoble und Habitatdesign für Flugarten.
Bestens versorgt wurden die Teilnehmenden u.a. durch das Pizza-Team und die Küfa:Crew vom Hildegarten. Wer wollte, konnte im Garten frühstücken. Die guten Kontakte des Sommercamp-Teams zur Leipziger Foodsharing und SoLaWi-Szene trugen zur Vielfalt des kulinarischen Angebots bei.
Reel auf dem Instagram-Account des Hildegartens
Das Programm (PDF)
Rückblick auf alle Sommercamps
Die Forschungsgruppe „Zukunft pflanzen: Gärtnern mit vielen Arten im Anthropozän“ („Planting Future: Multispecies Gardening in the Anthropocene“) erforscht das Gärtnern unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts. Die Gruppe möchte die Erfahrungen von Gärtnerinnen und Gärtnern in den sozial-ökologischen Krisen unserer Zeit verstehen und vermitteln. Gärten werden ebenso als Schauplätze der derzeitigen Veränderungen (Transformation) wie auch als besondere Orte gesellschaftlicher Anpassungsfähigkeit (Resilienz) gesehen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem gemeinsamen Gärtnern von Menschen mit anderen Gartenbewohnern wie Pflanzen, Vögeln, Insekten etc.
Die Gruppe ist am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Empirische Kulturwissenschaft der Julius-Maximilians-Universität Würzburg angesiedelt. Praxispartnerin ist die Bayerische Gartenakademie, die auch den Gärtner*innen mit gärtnerischem Fachwissen zur Seite steht. Das Team der Universität vermittelt kulturwissenschaftliches Wissen über das Gärtnern unserer Zeit, bezieht die Forschungspartner*innen im Laufe des Projekts in den Stand der Forschungen und aktuelle Veranstaltungen ein und gibt Ihnen Gelegenheit, eigene Gartengeschichten zu publizieren. Nicht zuletzt bietet der Austausch mit den Kulturwissenschaftler*innen die Möglichkeit, nochmal neu und teils anders über das eigene Gärtnern nachzudenken.
Gemeinschaftsgärtner*innen sind herzlich eingeladen mitzuforschen, etwa durch Interviews und Gartenbegehungen. Die Daten werden im Zuge der Verarbeitung anonymisiert, analysiert und veröffentlicht.
Wer mitforschen möchte, meldet sich gerne unter
Neuste Kommentare